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Du sollst nicht töten!
Liebe Hörerinnen und Hörer, in dieser Woche stehen hier in den Morgenandachten die 10 Gebote auf dem Programm. Genauer gesagt: die sechs Gebote,
die die Beziehungen der Menschen untereinander in den Blick nehmen. Töte nicht! - heißt es kurz und bündig. Töte nicht! Aber: Was tötet denn einen Menschen? Auf diese Frage hin spitzt Jesus das Tötungsgebot in seiner Auslegung zu.
Sprecherin: Ihr habt gehört, dass zu den Alten gesagt ist: Töte nicht! Wer aber tötet, der soll des Gerichts schuldig sein. Ich aber sage euch: wer mit seinem Bruder zürnt, der ist des Gerichts schuldig; wer aber zu seinem Bruder sagt: Du Nichtsnutz, der ist des Hohen Rates schuldig; wer aber sagt: Du Narr, der ist des höllischen Feuers schuldig.
Autor: Mein Zorn kann einen Menschen treffen wie eine Gewehrkugel. Meine Worte können so scharf sein, wie ein Messer, das ich dem Anderen zwischen die Rippen stoße. Die Herabwürdigung meines Gegenübers kann die Axt sein, die seinen Schädel spaltet. Worte können töten. Worte töten täglich. Auch, wenn sie keine leibhaftigen Leichen hinterlassen. Sicher: unsere Gerichte wären hoffnungslos überlastet, wenn sie alle Fälle von Demütigung, Beleidigung und Entwürdigung durch Worte bearbeiten wollten. Daher bleiben viele Tötungsdelikte dieser Art auch ohne juristische Folgen. Menschen töten ihre Mitmenschen durch Worte. Tag für Tag. Doch dieses Unrecht bleibt ungesühnt. Du Nichtsnutz, du Narr! Du Versager! Du Null, du
Wir könnten diese Liste weiter fortsetzen. Das Arsenal tödlicher Wort-Waffen ist riesig.
Das Bedrückende für mich ist: ich fühle mich entlarvt. Was Jesus in seiner Auslegung des Gebotes sagt, trifft mich. Hier gibt es kein Entrinnen. Ich bin gemeint. Jesus Christus, was soll das? Deine Worte treffen mich mitten ins Herz. Willst du mir zeigen, was ich für einer bin? Willst du Salz in meine Wunden streuen? Wozu soll das gut sein?
Dreierlei kommt mir in den Sinn: 1. Das Töten kommt aus dem heftigen Gefühl des Zorns. Also aus meinem Herzen. Es kann mit Worten beginnen. Es kann damit enden, dass ich wirklich Hand an einen Menschen lege und etwas tue, was ich nie mehr ungeschehen machen kann. Auch Worte aus meinem tödlichen Sprachschatz kann ich ja in Wahrheit nicht wirklich zurücknehmen. Aber immerhin: ich kann mich auf den Weg machen zu dem hin, den mein Giftpfeil getroffen hat und ihn um Vergebung bitten.
2. Wenn ich so bin, dann ist mir der Weg abgeschnitten, mich über andere zu erheben. Ja, sicher, ich werde auch weiterhin entrüstet sein über die Nachrichten von Gewaltverbrechen, die ich höre oder lese. Doch habe ich kein Recht, auf andere mit Fingern zu zeigen. Die anderen Finger zeigen auf mich selbst zurück. Ich weiß: auch ich bin einer, der tötet und übertrete damit Gottes Gebot.
3. Jesus treibt mich in Gottes Arme. Ich merke: ich kann eigentlich nur zu ihm hin fliehen. Im Gebet kann ich mich ihm anvertrauen. Ihn darum bitten, dass er mich mit seinem Geist erfüllt und mich leitet.
Zum Beispiel so: Guter Gott, hilf mir an diesem Tag dazu, dass ich die Menschen, die mir heute begegnen, nicht mit meinen Worten töte. Lass es nicht zu, dass ich meine Mitmenschen erniedrige, herabwürdige und im Zorn etwas tue, was ich nicht mehr rückgängig machen kann! AMEN.
Du sollst nicht töten!
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