Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.08.07, Frank Küchler

Du sollst nicht falsch Zeugnis reden!

Liebe Hörerinnen und Hörer, in dieser Woche stehen hier in den Morgenandachten die 10 Gebote auf dem Programm. Genauer gesagt:

die sechs Gebote, die die Beziehungen der Menschen untereinander in den Blick nehmen. „Rede kein falsches Zeugnis über deinen Nächsten“ heißt es da kurz und bündig. „Rede kein falsches Zeugnis über deinen Nächsten.“

Wird sind anfällig für Klatsch und Tratsch. Das ist so. Wer redet schon Gutes über einen anderen Menschen? Je schlechter wir andere Menschen machen, umso weniger fallen unsere eigenen Macken und Schwächen auf. Wir lenken von uns ab, indem wir auf andere mit dem Finger zeigen.

Rede kein falsches Zeugnis über deinen Nächsten - ursprünglich war dieses Gebot auf die Rechtsprechung bezogen. Aber es hat seine Berechtigung eben auch in anderen Lebensbereichen. Nicht umsonst sprechen wir von „Rufmord“! Wenn ich Schlechtes  über einen anderen Menschen rede, dann kann ich in der Tat damit einen gewaltigen Schaden anrichten. Ein Gerücht, das einmal in die Welt gesetzt ist, lässt sich nämlich nur schwer wieder zurückholen. Es nimmt seinen Lauf. Da nützt es wenig, wenn der andere  versucht, das zu dementieren. Wer etwas Nachteiliges über einen anderen Menschen in Umlauf bringt, der hat damit Macht über ihn gewonnen.  Gegen Rufmord ist man machtlos. Das soll nach Gottes Willen nicht sein.

Was also kann hilfreich sein? Wie kann ich dem begegnen, wenn jemand mir Schlechtes über einen Dritten erzählen will, seinen Ruf schädigen will?

Ich fand eine kleine Anekdote, die ich ihnen gerne weiter erzählen möchte.  Da kommt ein Mann zum Philosophen Sokrates gelaufen. Er will einen anderen Mann verklagen und ist ganz aufgeregt. Er redet wie ein Wasserfall. Doch Sokrates unterbricht seinen Wortschwall gleich und fragt: sag mal, hast du denn deine Worte schon durch die drei Siebe gehen lassen? Welche Siebe meinst du, Sokrates? fragte der Mann nun wiederum neugierig.
Also, sagte Sokrates: das erste Sieb ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft. Ob es wahr ist? Nein, nein ich hörte, dass es erzählt wurde, antwortete der Mann. Na ja, sagte Sokrates, dann hast du es hoffentlich mit dem zweiten Sieb geprüft?! Es heißt „Güte“. Ist das, was du mir erzählen willst, wenn es schon nicht wahr ist, denn wenigstens gut? Nein, das ist es nun gerade  nicht, antwortete der Mann zögernd, im Gegenteil. Aber…

Da unterbrach ihn Sokrates aufs Neue. Lass uns auch noch das dritte Sieb anwenden und
fragen, ob es notwendig ist, mir das zu erzählen, was dich so aufregt. Ich gebe zu, sagte der Mann, notwendig ist es nun gerade nicht. Also, lächelte Sokrates, wenn du mir erzählen willst, was weder wahr, noch gut, noch notwendig ist, so lass es einfach begraben sein. Und belaste dich und mich nicht länger damit.

Tja, liebe Hörerinnen und Hörer, wie wäre das: versuchen Sie doch  heute auch einmal all das Schlechte, was ihnen jemand über eine andere Person erzählt, durch die drei Siebe zu schütteln. Mal sehen, was dann davon noch übrig bleibt! 

Audiobeitrag Du sollst nicht falsch Zeugnis reden!


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