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Jetzt oder nie
Keine Lust auf den Job dieses Gefühl kennen viele. Auch die, die ein feste Stelle und ein sicheres Einkommen haben.
Sie würden am liebsten ihr Hobby zum Beruf machen. Doch sie trauen sich nicht. Zuviel spricht dagegen. Aus nachvollziehbaren Gründen. Einer der sich getraut hat, ist Georg Kortmann. Er war angehender Manager bei einem weltweit tätigen Automobilhersteller.
O-Ton: Ich bin ja direkt nach dem Studium dort hingegangen und das war ne Stelle, die war halt unheimlich reizvoll, das fing schon mit den Bewerbungsgesprächen an, wo es viel Glanz und Glamour gab im Interkonti Hotel in Köln, und das ganze war dann natürlich auch mit viel Geld und Möglichkeiten und Erfahrungsreichtum verbunden, das war die eine Seite. Autorin: Doch es gab auch eine andere. Die Art und Weise, wie er mit den Mitarbeitenden umgehen sollte, widersprach seinen Vorstellungen von Führung. Außerdem wünschte er sich eine Familie. 10 bis 12- Stundentage und häufiges Umziehen waren da schlechte Voraussetzungen. Deshalb beschloss Georg Kortmann, sich nach einer neuen Stelle umzusehen. Auch weil er sicher war,
O-Ton: Wenn ich jetzt nicht innerhalb von ein zwei rauskomme und wechsle, dann wird es nie mehr passieren, dann bin ich in der Mühle so drin, dann hab ich auch diese Gedanken dann irgendwann nicht mehr.
Autorin: Zufällig entdeckte er die Stellenanzeige der Pfadfinderschaft St. Georg in Neuss. Die suchte für ihr Rüsthaus einen neuen Verkaufsleiter. Georg Kortmann einst selbst Wölfling bei den Pfadfindern - bewarb sich und wurde prompt zum Vorstellungsgespräch eingeladen
O-Ton: Das gefiel mir auch alles sehr gut bis zu dem Punkt, wo es denn zum Gehalt kam und da musste ich schon ziemlich schwer schlucken. Ungefähr wurde mir angeboten die Hälfte dessen, was ich bis dahin verdient hatte und das konnte ich mir im Grunde genommen erstmal überhaupt nicht vorstellen.
Autorin: Er sagte ab. Doch glücklich war er mit seiner Entscheidung nicht. Jeden Tag ging er in seine Firma, tat Dinge, die er nicht mehr tun wollte und machte wie immer Überstunden ohne Ende.
O-Ton: Da hab ich mich jede Nacht herumgewälzt, mit richtigen so Bauchschmerzen, hab gedacht: Mensch, ist es das, ist es das nicht, und nach den zwei Wochen war ich dann soweit, dass ich gesagt hab, also jetzt oder nie, egal. Scheiß auf das Geld
Autorin: Fritz Kortmann hatte Glück. Die Stelle war noch frei. Seitdem arbeitet er als Verkaufsleiter bei der Pfadfinderschaft St. Georg. Ist Spezialist für Zelte, Jonglierbälle und Isomatten. Mit seiner Entscheidung ist er nach wie vor glücklich:
O-Ton: Was mir sehr gut gefällt ist die Art der Erziehung in der Pfadfinderschaft, wie Kinder und Jugendliche dazu gebracht werden, so ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und zu meistern.Dazu gehören viele praktische Dinge dazu gehört aber auch, viel inneres und geistiges und sicherlich auch der Glauben dazu. Das sind alles Punkte, die mir bei den Pfadfindern doch sehr wichtig sind.
Autorin: Dass er sein Cabrio verkaufen musste und Jeans nur noch beim Discounter kauft, stört Georg Kortmann nicht. Denn auch sein größter Wunsch hat sich erfüllt: Er ist zweifacher Vater. Manchmal wünscht er sich eine größere Wohnung und eine höhere Rente. Doch der Jobwechsel war für ihn genau richtig:
O-Ton: Denn die Zeit, die ich mit meiner Familie, mit meinen Kindern momentan verbringe, die ich als so spannend, so erlebnisreich, so ausgefüllt erlebe, das hätte ich niemals erlebt, wenn ich damals Manager geblieben wäre.
Jetzt oder nie
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