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Umweltzone
Wer in Zukunft nach Berlin reist, wird dort Überraschendes entdecken. Beim Spaziergang durch die Stadt, wird er auf eine Zonengrenze
stossen. Auf ein 90 Quadratkilometer großes Gebiet, markiert durch Schilder mit rotem Kreis, in dem das Wörtchen Umwelt steht. Berlin bekommt als eine der ersten deutschen Städte eine Umweltzone.
Eine Zone, in der Anwohnerinnen vor zu hoher Feinstaubkonzentration geschützt werden sollen. Wagen der Schadstoffklasse 1 müssen deshalb draußen bleiben. Im Innenbereich darf nur fahren, wer nur wenig oder zumindest nicht ganz viel Schadstoff erzeugt. Berlin wird wieder zur geteilten Stadt. Ein Schicksal, das auch Köln, Stuttgart und einige Ruhrgebietsstädte ereilen soll. Sie alle planen eine Trennung in eine Umweltzone und eine - ja, was denn eigentlich?
Ost und West das war eine klare Trennung, auch die Gastronomen lernen derzeit, was eine ordentliche Abtrennung ist. Doch wie begrenzt man eine Umweltzone? Was ist, wo keine Umwelt ist? Gut mag man sagen, der Name ist vereinfacht, gemeint ist natürlich eine Umweltschutzzone. Doch das Dilemma wird nicht kleiner. Schon der Versuch, Raucher und Nichtraucher durch das Anbringen von Schildern zu trennen, scheiterte daran, dass der Qualm sich nicht an die Verbote gehalten hat. Ähnliches ist bei den Abgasen zu erwarten, auch sie können nicht lesen. Weder die rote Verbotseite noch die Kehrseite, die das Ende der Zone markiert.
Und wie heißt sie nun die Zone außerhalb der Umweltschutzzone? Nirgendwo eine Kennzeichnung des Gebiets ausserhalb. Kein Name wie No-green-area oder Restareal, kein Hinweis wie Hier entsteht ein Wüst-und-leer-Bereich.
Was hingegen nicht fehlt ist eine Prognose für das Gebiet außerhalb der Umweltzone. Die kommt freilich von den Kritikern der Reglung. Anhand einer Studie belegen sie,
dass punktuelle Fahrverbote nur dafür sorgen, dass die Umweltzonen umfahren werden. So kommt es sogar zu einer höheren Luftverschmutzung, die Belastung verlagert sich einfach in benachbarte Wohnbezirke. Noch weiter Verlagern kann sie sich durch den Verkauf der stillgelegten Wagen. Schon heute wird ein Teil der älteren Autos in den Osten verkauft oder vereinzelt in Schwellenländer verschifft. Dort dürfen die Dreckschleudern dann ihren Feinstaub fröhlich verteilen.
Hier Umweltschutzzone, dort Umweltverschmutzzone. Global denken, lokal handeln, bekommt jetzt eine neue Bedeutung. Freilich eine zynische. Deshalb ist es höchste Zeit, sich an die ursprüngliche zu erinnern.
Schließlich wissen wir nicht erst seit dem Gipfel in Heiligendamm, dass Klimawandel und Luftbelastung global angegangen werden müssen. Umwelt lässt sich nicht parzellieren. Und darum kann auch Umweltschutz nicht in Zonen geschehen. Dass wir Schöpfung bewahren müssen, daran besteht kein Zweifel. Nur: Durch Aussperren der größten Verschmutzer geht das nicht. Schlicht, weil es kein Aussen gibt. Es bleibt also nur das, was schwer fällt: wo immer möglich, Verschmutzung vermeiden oder zumindest reduzieren Auch wenn es oft unbequem ist. Dabei könnten die Umweltzonenschilder helfen. Sie könnten uns immer wieder daran erinnern, verantwortlich mit unserer Umwelt umzugehen. Wer sie aufstellt, sollte jedoch beide Seiten identisch beschriften. Mit dem roten Kreis, in dem das Wörtchen Umwelt steht. Denn Umweltzone ist überall.
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