Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.08.07, Michael Birgden

Ich kaufe mir was

Meine Freundin liebt ausgedehnte Shoppingtouren im Urlaub. Also durfte auch in diesem Jahr ein Abstecher nach Bilbao nicht fehlen.

Als wir mittags ankamen, waren die Geschäfte zu. „So ein Pech. Wieder diese Siesta. Erst mal ins Café.“ Um 4 Uhr waren die Geschäfte immer noch zu. Nur ein Wäscheladen im Shoppingcenter hatte auf.

Während Sie zum xten mal in der Umkleidekabine verschwand, plötzlich laute Musik, die durch ein Megaphon plärrte. Hektik bei uns im Laden: Die Verkäuferinnen liefen zur Tür, ließen die Rollgitter runter, die Notbeleuchtung schaltete sich ein. Wir standen entgeistert in einem schummerigen Laden voller Wäsche, draußen hämmerten Fäuste gegen das Rolltor. Auf uns einredend, drängten uns die Verkäuferinnen durch einen Notausgang auf ein Parkdeck. Gespenstisch. „Ich will wissen, was hier los ist“, sagte meine Freundin. „Hast du keine Angst?“ fragte ich. „Doch, aber einfach stillschweigend so was hinnehmen, macht die Sache nur schlimmer!“

Also sind wir wieder zum Laden. Im Shoppingcenter standen viele Frauen mit Plakaten. Wir waren in einen Warnstreik geraten. Die spanischen Verkäuferinnen wehrten sich gegen ihre schlechte Bezahlung und ihre schlechten Arbeitszeiten. Für die Schnäppchen im Laden mussten sie hart und lange arbeiten. „Kauft nicht bei solchen Ausbeutern!“, lachten sie und klebten uns ihre Slogans an die T-Shirts.

An diesem Tag fuhren wir ohne dicke Einkaufstüten aus Bilbao ab. „Bist du enttäuscht?“ fragte ich meine Freundin. „Nö,“ sagte sie, „eigentlich finde ich das genau richtig so!“

Sprecher: Michael Birgden

Audiobeitrag Ich kaufe mir was


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