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Schauen statt schreien
Bei uns in der Stadt ist ein großer Platz. Dort sind ziemlich oft Inlineskater, die an den Geländern Grinds üben.
Dabei ist ein Junge, den kenne ich flüchtig, der ist schwerhörig. Der hat ganz normale Skaterklamotten an, aber hat dazu noch 2 Hörgeräte, aber er hört eigentlich kaum.
Neulich sind die Jungs wieder geskatet und das ist auch ziemlich laut. Das stimmt schon. Da stand da eine Dame, die hat sich davon gestört gefühlt. Dann ist sie zu ihnen hin und hat sie direkt angesprochen: Mann, Jungs, merkt ihr denn nicht, wie laut ihr seid? Das stört mich. Hört auf damit!
Und dann gucke ich so diesen schwerhörigen Jungen an und denke mir so: Nein, der hört das wirklich nicht. Er guckte auch irritiert. Ich denke mir, dass es aus seiner Sicht ziemlich ulkig aussah: Diese Frau mit hochroten Kopf, den Mund immer so auf und zu wie ein Fisch. Aber er wusste nicht, was sie meint. Nach ein paar Sekunden, hat er mit den Schultern gezuckt und ist weggefahren auf seine Skates.
Ich finde es ziemlich typisch für unseren Alltag, dass wir uns ganz schnell blind in Rage reden. Und gar nicht genau hingucken. Ich bin mir sicher: Wenn die Dame die Hörgeräte des Jungen gesehen hätte, dann hätte sie auch ganz anders reagiert.
Sprecher: Gernot Hoersch
Schauen statt schreien
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