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Bescheidenheit
War das nicht wieder typisch? hörte ich in der Kaffeepause Frau Meier fragen. Doch, aber das kennt man ja, gab Herr Schulz zur Antwort.
Diese gesuchte Sprache, diese gebildeten Beispiele und diese gespreizte Art, aus all und jedem einen Theaterauftritt zu machen. Er ist und bleibt eben ein gnadenloser Selbstdarsteller.
Die Rede war von mir. Ich hatte soeben auf einer kirchlichen Tagung ein vom Veranstalter vorab angefragtes so genanntes Impuls-Referat gehalten, hatte mich, wie in solchen Fällen üblich, einigermaßen gut vorbereitet, hatte versucht, im Rahmen meiner Möglichkeiten überzeugend zu sein, und hatte selbst nicht den geringsten Zweifel daran, mich mit dem, was ich zur Sache zu sagen hatte, eben auch in den Dienst der Sache gestellt zu haben.
Die Teilnehmer des kurzen Pausendialogs, den ich zufällig mit anhörte, waren hingegen ganz anderer Meinung. Für sie stand fest, dass das einzige Thema meines Vortrags ich selbst gewesen sei. Oder war das insgeheim doch nicht ihre wahre Ansicht? Führten sie ihren Dialog vielleicht nur, weil sie mich irgendwann einmal arrogant und überheblich erlebt hatten und nun in ihrem Weltbild einfach kein Platz mehr für die Möglichkeit war, dass ich einfach nur im Interesse des Themas gut gewesen sein könnte?
Das ist natürlich selbst schon wieder eine arrogante, überhebliche Frage. Zumal in der Kirche wird es in der Regel ziemlich misstrauisch beäugt, wenn eine oder einer irgendwo irgendwie etwas Besonderes oder gar etwas wirklich Herausragendes macht. Das riecht meilenweit nach unprotestantischem Leistungsdenken, schnell wird der Apostel Paulus hervorgezerrt, demzufolge wir uns bekanntlich nicht unser selbst, sondern Jesu Christi rühmen, und dass der Erfolg, wenn man denn überhaupt dieses Wort benutzen will, der Erfolg also etwa einer Predigt nicht an der oder dem Predigenden, sondern am Wehen und Walten des Geistes hängt, ist ohnehin klar.
Wenn ich heute trotzdem mal frage, ob denn ein guter Auftritt, auch im kirchlichen Raum, immer sofort eitler menschlicher Tand ist, der vom Eigentlichen ablenkt, dann deshalb, weil ich mir gar nicht sicher bin, ob jemand, der sich in den Dienst der Sache stellt, deshalb auch automatisch hinter der Sache zu verschwinden hat. Logischerweise wäre dann die einzige persönliche Eigenschaft die eigene Austauschbarkeit. Und mit dieser im Gepäck entschlossenen Schrittes in der Mittelmäßigkeit zu verschwinden, mag zwar bescheiden sein, ist aber denn wohl doch nicht unbedingt sachdienlich.
Auf Jesus, einen Mann mit Ecken und Kanten, kann sich diese Art Selbstverleugnung jedenfalls nicht berufen. Auf eine profilierte Persönlichkeit wie Paulus übrigens auch nicht. Also: Es ist nicht verboten, sein Bestes zu geben. Auch nicht, wenn dieses zufällig besser sein sollte als das Beste anderer. Ja, selbst dann nicht, wenn es nicht immer ganz frei ist von persönlicher Eitelkeit. Gott hat einem nun mal die eine oder andere Begabung mitgegeben, der einen diese und dem anderen jene. Und solche Begabungen darf man nicht nur, nein, man soll sie einsetzen auch dann, wenn von Gott die Rede ist.
Bescheidenheit
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