Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

31.07.07, 5.56 Uhr, Pfarrer Jost Klausmeier-Saß

Wahre Schätze

Der Lebensstandard in Deutschland ist hoch und daran haben wir uns gewöhnt. Was für unsere Großeltern schier unvorstellbar war, ist uns selbstverständlich geworden.

Zum Beispiel: Erdbeeren zu jeder Jahreszeit kaufen und essen zu können. Doch wie viele unserer Kinder wissen eigentlich noch, wann in unserer Breiten Erdbeeren tatsächlich wachsen? Wir können uns das leisten. Die Kosten für die Produktion, den Transport und die ökologischen Folgen. Meinen wir.

Die nächste Generation sieht das allerdings anders. Immer mehr junge Erwachsene glauben, dass es nicht ewig mit dem Luxus so weitergeht. Weil die ökologischen Folgen unseres Wohlstands eben doch katastrophal und nicht mehr zu verantworten sind. Mein Schüler Sebastian Hugler zum Beispiel macht sich vor dem Sprung ins Berufsleben so seine Gedanken: „Wie wäre es, stünde ihm in Zukunft nicht immer alles und zu jeder Zeit zur Verfügung?“

O-Ton: „Dann müsste ich mich auf jeden Fall in dem Moment einschränken. Dann müsste ich halt sagen – OK, ich kann darauf verzichten, ich kann eine Alternative finden:..“

Autor: Sebastian Hugler weiß: Vielen aus seiner Generation würde es aber schwer fallen, auf etwas zu verzichten. Zu groß sei die Gewöhnung an den Luxus:

O-Ton: „Es gibt Menschen, die interessiert das überhaupt nicht. Die machen sich darüber überhaupt gar keine Gedanken darüber. Denen ist das einfach nur wichtig, diese Erdbeeren jeden Tag auf dem Tisch stehen zu haben. Oder dass das Auto wie immer vollgetankt ist. Das sind Sachen, die kann man den Leuten einfach nicht mehr ausreden. Das ist der ihre Lebensgestaltung, und damit sind sie erst glücklich.“

Autor: Wie viele seiner Generation ist der 21-jährige auf der Suche nach anderen als den Glücksverheißungen der Konsumwelt. Er spürt, dass Geiz nicht geil ist, aber auch Materielles nicht notwendig glücklich macht. Und versucht Alternativen zu finden.

O-Ton: „Es ist für mich sehr, sehr wichtig, einfach auf die Dinge zurückzugreifen, die halt immer verfügbar sind: einfach mal ein Buch zu nehmen, und ein Buch zu lesen, die Natur auf sich wirken zu lassen, das ist das, was halt immer da ist. Und das kann mir persönlich keiner nehmen.“

Autor: Die Bibel nennt das, was mein Schüler sucht, einen wahren Schatz. Ein Schatz, der wie Jesus sagt, ewig ist, und nicht von Motten zerfressen oder Dieben gestohlen werden kann.  Einen Schatz im Himmel sozusagen – jedenfalls nichts Materielles. Nicht zu kaufen, aber zu erleben. Sebastian Hugler kann sehr konkret formulieren, wie dieser Schatz für ihn aussieht:

O-Ton: „Lebensglück bedeutet für mich sehr starke Verbundenheit in der Familie - das Zusammengehörigkeitsgefühl auch für mich und meiner Freundin – und diese gegenseitige Unterstützung zueinander. Das ist sehr, sehr wichtig für mich. Dass der Eine das versteht, was der Andere auch tut.“

Autor: Was sind dagegen schon alle Luxusgüter dieser Welt? Bei einem Schatz im Himmel fällt doch der Verzicht auf Erdbeeren leicht!

Audiobeitrag Wahre Schätze


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