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Vereint glauben
Wenn man als Kirchengemeinde ein Kirchengebäude finanziell nicht mehr halten kann, dann ist das ein sehr schmerzlicher Prozess.
Ich kann jeden verstehen, der darunter leidet, wenn seine Kirche verkauft werden muß. Aus einer Kirche wird dann z.B. eine Diskothek wie in Berlin oder eine Synagoge, wie jetzt in Bielefeld. Das gefällt nicht jedem.
Was ich grundsätzlich nicht verstehen kann und das bezieht sich jetzt auf den Verkauf im Allgemeinen: Statt sich zu streiten, könnte man sich doch auch mit anderen religiösen Gemeinschaften zusammentun, um dann gemeinsam ein Gebäude zu erhalten, oder? Warum ist das so undenkbar?
Es hat innerhalb der christlichen Konfessionen Jahrhunderte gebraucht, um sich gegenseitig zu respektieren und anzunähern. Und auch hier stoßen wir bis heute an Grenzen, wie beispielsweise dem unterschiedlichen Umgang mit dem Abendmahl. Aber immerhin: Katholische und evangelische Christen sind in der Lage sich sogar ein Kirchengebäude zu teilen. In so genannten Simultankirchen feiern sowohl Protestanten als auch Katholiken ihre Gottesdienste.
Brauchen wir jetzt etwa wieder hunderte von Jahren, um mit den Glaubensgeschwistern der anderen monotheistischen Religionen auf eine ähnliche Basis zu kommen?
In unserer evangelischen Kirchenordnung bezeugen wir doch schon, dass wir gemeinsam mit unseren jüdischen Glaubensgeschwistern auf einen neuen Himmel und eine neue Erde hoffen. Warum ist es dann so undenkbar z.B. gemeinsam ein Kirchengebäude zu nutzen? In einer Gesamtschule im Ruhrgebiet habe ich bei einem Besuch erleben können, wie eine Schulkapelle bewusst so gestaltet worden ist, dass Muslime, Juden und Christen dort ihren Gottesdienst feiern können. Der Schuldirektor berichtete: Dort feiern Angehörige aller Glaubensrichtungen getrennt aber auch gemeinsam Gottesdienste. Anfangs hätte es viel Kritik gehagelt, nun seien Eltern, Schüler aber auch die jeweiligen Glaubensgemeinschaften überzeugt davon, dass dies ein friedliches Miteinander fördere.
Auch an der Berufsbildenden Schule habe ich Ähnliches beobachtet. Dort sitzen junge Muslime zusammen mit Christen in einer Schulbank und reden über ihren Glauben. Und wissen Sie was? Es ist eine große gegenseitige Bereicherung. Da sagte ein junger Muslim am Ende eines Schuljahres: Ich hatte viele Vorurteile, gegenüber dem christli-chen und jüdischen Glauben. Jetzt, wo ich mehr darüber weiß, lehne ich es nicht mehr so ab.
Wenn das mal kein Fortschritt ist! Es geht mir nicht um eine falsch verstandene Toleranz, die keine Grenzen setzt! Aber wenn wir uns in unserem Glauben abschotten voneinander, wird es auch nicht besser mit dem Verständnis füreinander. Jede und jeder hat seine eigene Wahrheit. Nur kann ich doch genau darüber auch in Kontakt treten. Und wenn das gelingt, warum sollten wir dann nicht sogar gemeinsam ein Gotteshaus erhalten können. Wir müssen dieses ja nicht zur selben Zeit nutzen. Klar, Konflikte wären unvermeidlich, aber gehören die nicht dazu? Muslime, Juden und Christen haben dieselben geschichtlichen Wurzeln. Alle behaupten in der Nachfolge Abrahams zu stehen. Schon deshalb sind wir dazu verpflichtet, uns mehr zusammenzuraufen und meines Erachtens ginge das auch in dem gemeinsamen Kampf um den Erhalt von Gotteshäusern!
Vereint glauben
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