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Meine Zeit steht in Deinen Händen
In dem Buch der kleine Prinz von Antoine de Saint-Exupéry gibt es einen Geschäftsmann, der mit durst stillenden Pillen handelt.
Von den Pillen heißt es, man schlucke jede Woche eine und müsse dann nichts mehr trinken. Warum verkaufst Du das?, fragt der Kleine Prinz. Das ist doch eine große Zeitersparnis sagt der Händler. Die Sachverständigen haben Berechnungen angestellt. Man erspart 53 Minuten in der Woche. - Wenn ich 53 Minuten übrig hätte, sage der Kleine Prinz, würde ich ganz gemächlich zu einem Brunnen laufen
Klar, ich würde natürlich mit dem Kleinen Prinzen mitgehen. Aber wahrscheinlich würde ich auf dem Weg zum Brunnen in diesen 53 Minuten mindestens fünf Anrufe per Handy erledigen, zehn sms verschicken und drei Erledigungen einbauen, um effizient zu sein. Ich gehöre zu denen, die denken, durch ein gutes Zeitmanagement, Zeit gewinnen zu können. Um sie dann irgendwann sinnvoll nutzen zu können. Das Dumme ist nur, diese Rechnung geht nicht auf. Und ich habe eigentlich das Gefühl, ständig nur der Zeit hinterher zu laufen.
Wer auf der Höhe der Zeit bleiben will, muss eben mit ihr Schritt halten. Termine, Nachrichten, Angebote das alles gilt es gleichzeitig im Auge zu behalten. Ob im Berufsleben oder bei Ebay: es geht um das richtige Timing. Nur wird man irgendwann eine Sklavin seines Terminkalenders. Und fühlt sich fremdbestimmt.
Man sehnt sich nach Freizeit. Ist die ersehnte Freizeit aber endlich da, wird sie auch schon wieder verplant. Soziologen beobachten, dass immer mehr Menschen auf der einen Seite unter Zeitmangel, auf der anderen Seite aber auch unter Langeweile leiden. Es klingt wie ein Widerspruch, ist es aber nicht.
Wir sind Teil einer Nonstop-Gesellschaft und können mit leerer Zeit kaum noch umgehen. Ein unverplanter ruhiger Sonntagnachmittag macht uns nervös. Lässt uns schnell zum Telefon oder zur Fernbedienung des Fernsehers greifen. Bloß keine Ruhe aufkommen lassen. Unsere Gesellschaft hat sich beschleunigt.
Flexible Arbeitszeiten, weniger Pausen mehr Gewinne. Der Mensch wird zunehmend genötigt, Zeit zu optimieren. Wir schlafen weniger als vor 20 Jahren, schlucken immer mehr Antidepressiva und Wachmacher. Und noch dazu wird alles gleichzeitig erledigt. Nicht mehr eins nach dem anderen. Das ist normal. Doch leider sehr ungesund - auch für unsere Seele.
In einem Psalmwort heißt es: Meine Zeit steht in Deinen Händen. Soll ich etwa schon wieder meine Zeit in die Hände eines anderen legen? Meine Zeit steht in Deinen Händen - Gott.
Was soll das heißen? Ich bin mit samt meiner Lebenszeit in Gottes Hand. In seiner Hand. Geborgen. Ich kann bei Gott zur Ruhe kommen. Das erfahre ich aber nur, wenn ich mir Zeit für Gott nehme. Wenn ich mich der Ruhe und Stille aussetze. Riskiere, dass Langeweile oder Leere aufkommen kann.
Um mir bewusst zu werden, dass Gott es ist, der mir Zeit auf dieser Welt geschenkt hat. Dafür muss ich mir Zeit für ihn nehmen - das kann meinen Alltag, aber auch den Sonntag, bereichern. Das kann eine heilsame Unter-brechung sein. Um aus dem Zeitdruck meines Arbeitgebers, aber auch aus dem Sog der Verlockungen der Erlebnisgesellschaft auszubrechen. Meine Zeit steht in Deinen Händen. Gott. Und dafür möchte ich Dir danken. Jetzt.
Meine Zeit steht in Deinen Händen
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