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Der offene Himmel
Es gibt Menschen, die haben den Himmel offen gesehen, die an einem bestimmten Punkt ihres Lebens in einer besonderen Weise die Nähe Gottes erfahren haben.
Von einem solchen Mann will ich Ihnen heute Morgen erzählen. Es ist das Erlebnis eines Mannes unserer Tage, eines eher nüchterner Menschen. Er erzählt: An einem strahlenden Sonntagmorgen gingen meine Frau und meine Söhne zur Kirche. Ich hatte das Gefühl, dass ich sie unmöglich begleiten konnte als wäre es im Augenblick ein Akt geistigen Selbstmordes, den Sonnenschein auf den Hügeln zu verlassen und dort hinunter in die Kirche zu gehen. Ungefähr eine Stunde wanderte ich die Straße entlang und kehrte dann um. Auf dem Weg zurück hatte ich plötzlich, ohne Vorwarnung, das Gefühl, dass ich im Himmel sei ein Zustand innerer Friedlichkeit und Freude und Gewissheit von unbeschreiblicher Intensität, begleitet mit dem Gefühl, in einer warmen Glut von Licht gebadet zu werden, ein Gefühl, die Grenzen des Körpers verlassen zu haben, obwohl die Szene, die mich umgab, klare Konturen hatte und mir aufgrund des hellen Lichts, in dessen Mitte ich zu stehen schien, näher zu sein schien als vorher. Diese tiefe Emotion dauerte an, obschon mit abnehmender Stärke, bis ich mein Haus erreichte und einige Zeit danach, nur allmählich schwindend.
In diesen Worten spricht ein nachdenklicher, aber kaum sonderlich religiöser Mann. Er lässt seine Frau und seine Söhne zur Kirche gehen und zieht es für sich selber vor, einen Spaziergang durch die sonnenbeschienenen Hügel zu machen. Sein Bericht lässt erkennen, dass er gewohnt ist, seine Umwelt und sich selbst genau zu beobachten, seine Erfahrungen zu bedenken und in Worte zu fassen. Doch was er hier erlebt hat, scheint seine Worte mitunter zu sprengen. Das Erfahrene lässt sich nicht unter die Herrschaft der Worte zwängen und bordet nach allen Seiten über. Das Gefühl, im Himmel zu sein - ein Zustand von unbeschreiblicher Intensität ein Gefühl, die Grenzen des Körpers verlassen zu haben.
Obwohl dieser Mann seine scharfe Beobachtungsgabe und eine gewisse kritische Distanz zu dem Erlebten nicht aufgibt, hindern sie ihn aber auch nicht, den Inhalt dieses Erlebnisses zuzulassen und anzuerkennen, dass es sich hier um ein ganz persönliches, von außerhalb kommendes Erlebnis handelt. Dieser Mann hat ein mystisches Erlebnis gehabt, eine Himmelsschau, und die Nähe Gottes, des Lichts, ganz unmittelbar gespürt. Womöglich entsprach diese Erfahrung gar nicht seiner Weltanschauung, seinem gewöhnlichen alltäglichen Denken, aber er konnte sie zulassen und anderen davon Mitteilung machen. Hier spricht also kein Schwärmer, kein überspannter Enthusiast. Hier spricht ein Zeitgenosse, dem man präzises Denken und intellektuelle Unbestechlichkeit zutraut. Die macht seinen Bericht über seine Erfahrung, im Himmel gewesen zu sein, so glaubwürdig.
Was dieser Mann in einem bestimmten Moment seines Lebens leibhaftig erfahren hat, dass er die Nähe Gottes in ihrem jenseitigen Glanz schauen durfte, erlebt nicht jeder. Aber solche Erfahrungen sind möglich. Zu allen Zeiten und in allen Kulturkreisen gibt es Menschen, denen diese Schau des Göttlichen ermöglicht wurde. Für sie ist ein solches Erlebnis wirklicher als jeder Tatsachenbeweis oder die Schlussfolgerungen reiner Logik. Kein Gegenbeweis kann ihre Erfahrung widerlegen. Diese Erfahrung inneren Friedens und Freude, der Aufhebung der Körpergrenzen und eines überwältigenden Lichtes verändert ihr Leben. Und das Wirken Gottes in unserer Welt und die Ausstrahlung seiner Liebe ist ihnen zur Gewissheit geworden.
Der offene Himmel
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