Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

20.07.07, 5.56 Uhr, Silke Janssen

Offensive der Atheisten

„Gott ist an allem Schuld - Der Kreuzzug der Atheisten“. So titelte vor kurzem ein großes wöchentlich erscheinendes Magazin.

 „Eine neue Generation von Skeptikern und Wissenschaftlern hat sich aufgemacht, die Welt vom Glauben zu befreien“, heißt es dort. Und zwar von jedem Glauben. Und von jeder Religion. Ganz gleich, ob es das Judentum oder der Islam, das Christentum oder der Buddhismus ist. Alles sei Quatsch, alles nur Verdummung des Volkes.  Der das sagt, ist Richard Dawkins -  der Papst der neuen Atheisten. Der Evolutionsbiologe aus Oxford hat das Buch  „God Delusion“ verfasst - also sinngemäß die Desillusionierung Gottes. Auf deutsch wird das Buch „Der Gotteswahn“ heißen und im September hier erscheinen. Die Herausgeber hoffen natürlich, dass es wie in England wochenlang die Bestsellerliste anführt.

Natürlich kommen solche Sätze gut an wie: „Stellen wir uns eine Welt ohne Religion vor. Es gäbe keine Selbstmordbomber, keinen 11. September, keine Kreuzzüge und Hexenverfolgung. Keinen Israel-Palästinenser-Konflikt, keine Massaker in Bosnien, keine Verfolgung von Juden, keine Nordirland-Unruhen.“ Da hat Richard Dawkins natürlich Recht, das hätte es ohne Religion vermutlich so nicht gegeben.

Es sind jedoch  Auswüchse eines falsch verstandenen Glaubens, einer falsch verstandenen Religion.  Ich bin fest davon überzeugt, dass ein frommer Mensch keine Gewalt ausüben möchte. Ganz gleich, ob er Christ oder Moslem ist. Nur diejenigen, die aus ihrem Glauben eine Ideologie machen, die für ihre Religion kämpfen, kommen in die Gefahr, gewalttätig zu werden. Und wie sonst auch machen die negativen Ausnahmen und Auswüchse mehr von sich reden als stille, unauffällige Massen.  Diesen und den nächsten Absatz in einen zusammenfassen, weil du inhaltlich nichts Neues bringst.  Insgesamt reichen auch 2.30 oder 2:45.

Wenn Richard Dawkins eine Welt ohne Religion möchte - wie würde sie aussehen? Ohne Religion - und hier denke ich an die christliche Religion - würde es zum Beispiel keine Diakonie und kein Hospiz geben. Ohne Religion würde es keine Kirchen geben, die notleidenden Menschen Schutz und Hilfe bieten. Keine aus christlicher Nächstenliebe heraus finanzierte  Kindergärten, Krankenhäuser oder Altenheime. Ich denke auch, dass es weniger Engagement für Arme, Kranke und Schwache gäbe. Denn viele christlich motivierte Menschen sehen es als einen Auftrag aus der Bibel an, gerade diesen Notleidenden zu helfen. Nächstenliebe zu praktizieren und nicht nur Mitgefühl zu haben. 

Kurzum – ich denke, eine Welt ohne christlich denkende Menschen wäre noch kälter als sie ohnehin schon ist. Und – in einer Welt ohne den christlichen Glauben gäbe  es keine Hoffnung und keinen Trost, der über den Tod hinaus reicht. Ich frage mich, wie ein Mensch diese Welt verlassen kann ohne das Wissen, in eine andere, bessere Welt zu kommen. Es gäbe keinen Glauben und Festhalten an einen liebenden Gott, der die Menschen durch das Leben und das Sterben  trägt und ihnen Halt gibt. Der das Fundament des Lebens und des Sterbens ist. All das und vieles andere hätten Menschen nicht. Eine gottlose Welt wäre eine im wahrsten Sinne des Wortes trostlose Welt. Davon bin ich überzeugt.

Audiobeitrag Offensive der Atheisten


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen