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Manieren
Immer noch ist ein Buch auf der persönlichen Bestsellerliste vieler Menschen, dessen Thema eigentlich schon zum alten Eisen gehört: Manieren.
Asfa-Wossen Asserate heißt der Autor und er weiß, wovon er schreibt. Er wurde als afrikanischer Prinz in Äthiopien geboren. Damit wurden ihm gute Umgangsformen quasi in die Wiege gelegt. Die Wirren des Krieges in seinem Heimatland aber haben ihn nach Deutschland verschlagen. Und heute ist er Unternehmensberater in Frankfurt. In seinem Buch über Manieren geht es dem Prinzen aber nicht darum, ob man Kartoffeln mit dem Messer schneiden darf oder nicht, oder ob man ein gekochtes Ei köpft oder pellt. Sondern es geht dem Autor um die Grundhaltung, die ein Mensch einem anderen entgegenbringen sollte, um sich ihm gegenüber manierlich zu verhalten. Eines der ersten und wichtigsten Kapitel widmet der Autor dem Thema Aufmerksamkeit. Die Aufmerksamkeit, heißt es dort, gehört zum Fundament der Person. Aufmerksamkeit sollte die entscheidende Grundhaltung eines Menschen gegenüber Welt sein. Und damit ist nicht nur die Aufmerksamkeit der Umgebung gegenüber gemeint. Ob die Krawatte zu dem Hemd passt oder ob der Nachbar ein neues Auto hat. Der Aufmerksame blickt die Menschen an, die ihm begegnen. Diese Menschen sind ihm wichtig. Es gibt keine unwichtigen Menschen.
Der Aufmerksame, so der Autor, kennt die Namen, kennt die Geschichten zu den Menschen, weiß, wer eine Fischallergie hat und ob die Enkelkinder gerade in Singapur sind. Der Aufmerksame ich immer bereit, für einen anderen Menschen aufzustehen und ihm so Respekt zu zollen.
Welche Grundhaltung gehört zu diesem Auf-andere-ausgerichtet-Sein? Asfa-Wossen Asserate nennt hier die Demut. Eine Haltung, die auch in der Bibel erwähnt wird. Paulus schreibt z.B. im Brief an die Philipper: In Demut achte einer den anderen höher als sich. Und in seinem ersten Brief an die Korinther schreibt er von der selbstlosen Liebe. Er rät unter anderem: Zieht an Freundlichkeit, Sanftmut und Demut.
Das Wort Demut ist fast schon nicht mehr in unserem Sprachgebrauch. Es drückt eine uncoole Haltung aus und ist damit selber ein uncooles Wort geworden. Demut bedeutet ja schließlich auch, nachzugeben, Rücksicht zu nehmen, sich selbst zurückzunehmen. Das steht in diametralem Gegensatz zu einer weit verbreiteten Haltung heute, immer mehr leisten zu müssen, immer mehr Nabelschau zu betreiben und damit immer mehr selbst im Mittelpunkt zu stehen. Die demütige Haltung eines Menschen dem anderen gegenüber ist so unattraktiv geworden, dass man sie mit einem starken Charakter nicht mehr assoziieren kann. Demut wirkt passiv, in sich gekehrt.
Klar, sich zurückzunehmen bedeutet zuerst, nicht immer sofort oder spontan zu handeln und nicht immer nach seinen eigenen Wünschen und Vorstellungen zu handeln. Sondern erst einmal innezuhalten und zu schauen, was der andere braucht und wie es dem anderen geht. Deswegen gehören Aufmerksamkeit und Demut zusammen. Aber ein aufmerksamer Mensch ist im höchsten Maße aktiv. Er schaut auf seine Mitmenschen, ist immer in jeder Sekunde achtsam. Der Aufmerksame ist stets den Worten des Gegenübers zugewandt, also immer aktiv. Allerdings ist die Aufmerksamkeit dem anderen zugewandt, das stimmt, und nicht sich selbst. Damit schließt sich der Kreis von Demut und Aufmerksamkeit.
Demut ist also eine kraftvolle Tugend. Oftmals wünschte ich mir mehr davon. Damit andere Menschen wieder manierlich miteinander umgehen und jeder jedem Aufmerksamkeit entgegenbringt.
Manieren
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