Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.07.07, 6.56 Uhr, Pfarrer i. R. Burkhard Müller

"Träume und unser Glück"

„Fließet aus dem Aug, ihr Tränen! all mein Hoffen, all mein Sehnen, Meines Lebens schönster Traum hängt an diesem Apfelbaum“.

Arme Witwe Bolte: Max und Moritz haben den Glückstraum zerstört. Wie viele Lebensträume vom Glück wohl täglich platzen? Wie viele unglücklich Menschen quälen sich wohl im dunklen Tal der Enttäuschten? Trotzdem:  Bitte nicht aufhören zu träumen! Untaugliche Träume müssen wir gegen neue eintauschen. Wir müssen uns neue Visionen schenken lassen. Auch Gott hält gute Visionen für uns bereit.

Mir ist Martin Luther King vor Augen, wie er seine berühmte Rede hält: I have a dream, Ich habe einen Traum, den Traum vom friedlichen Miteinander von Schwarz und Weiß. Ein Schuss aus dem Hinterhalt reißt ihn aus dem Leben. Und trotzdem war der Traum nicht vergeblich.

Ich denke an Abraham, in dem Gott einen großen Traum erweckt: Ich will dir ein Land zeigen und da sollst du zum Segen werden. Der Traum ist bis heute nicht erfüllt. Und trotzdem war der Traum sehr wichtig. Ich denke an den Traum des Moses, mit seinem Volk in das Gelobte Land zu ziehen. Aber er stirbt vorher. Auch dieser unerfüllte Traum war nicht vergeblich.

In einem modernen Theaterstück über Aschenputtel bekommt sie am Ende des ersten Akts ihren Traumprinzen. Das Glück ist groß. Aber dann folgt ein zweiter Akt. Und in dem zeigt sich der Prinz als enttäuschender Ehemann. Und auch Aschenputtel ist nicht die Traumfrau. Das Glück zerplatzt, weil die Wirklichkeit nicht so ist wie die Träume sind. Glück und Glas, wie leicht bricht das.

Wie oft folgt im wahren Leben dem ersten Akt des großen Glücks ein zweiter Akt mit dem Zerbrechen der Träume. In einem dritten Akt müssten die Protagonisten zu neuen Lebensträumen finden. Sonst geht das Stück nicht gut aus.

Ein junges Paar freut sich auf Kinder. Sie möchten zu einer großen Familie werden. Aber dann gibt es keine Kinder. Der schöne Traum zerbricht. Das tut richtig weh. Lange leben die beiden im dunklen Tal der Enttäuschten. Aber eines Tages finden sie zu einem anderen Lebenstraum. und werden dadurch wieder glücklich.

Jemand hat viele Träume für seinen Ruhestand: Reisen, lesen, basteln, gärtnern. Da kommt die Diagnose: Krebs, ohne Heilungschancen. Der schöne Traum ist geplatzt. Das ist traurig und tut weh. Aber da gelingt es ihm, sich einen neuen Traum für seine letzten Monate zu schaffen. Er träumt davon, die letzten Monate zu nutzen und seiner Partnerin zu zeigen, wie sehr er sie liebt, wie glücklich er mit ihr ist und war. Und mit den herangewachsenen Kindern will er über die Kindertage reden und sie spüren lassen, warum sie ihn so glücklich gemacht haben. Es war eine traurige letzte Lebenszeit, aber durch diesen neuen Traum  Zeit einer ganz tiefen Liebe, Es waren traurige, aber zugleich glückliche Tage.

Der Prophet Joel verweist auf eine besondere Quelle des Lebensglücks: „Gott wird seinen Geist ausschütten,  damit selbst Alte noch Träume und schon die Jungen Visionen haben.“ Ich wünsche Ihnen viel Glück mit ihren Träumen!

Audiobeitrag "Träume und unser Glück"


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