Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.07.07, 8.56 Uhr, Pfarrer i. R. Burkhard Müller

"Schönheit und unser Glück"

Macht Schönheit glücklich? Ein bisschen vielleicht, aber nicht mehr. Unser Schöpfer hat uns eine ausgesprochene Freude am Schönen eingepflanzt.

Wir besuchen schöne  Orte und Kirchen, richten uns die Wohnungen schön ein und pflegen unsere schönen Gärten. Warum sollen wir nicht auch auf die Schönheit unseres Körper achten?

Wo Jesus auf Menschen mit Makeln und Gebrechen stieß, hat er sie ganz selbstverständlich  geheilt und sie so schöner gemacht. Gut dass es Chirurgen gibt, die eine von Unfall entstellte Nase  oder die berühmten Segelfliegerohren korrigieren können.

Man kann wegen der Schönheit Sport treiben, die Haare bleichen oder rot färben, man kann sich auf  die Sonnenbank legen und unters Messer des Schönheitschirurgen.

Wie weit er gehen soll, mein Schönheitschirurg, ist Sache des Geschmacks und des Geldbeutels. Ob das immer das Geld wert ist, das man dafür ausgibt? Aber wenn es Spaß macht!

Aber gerade das ist das Schlimme, Vieles auf dem Feld der Schönheit wird nicht mit Spaß und Lust getrieben, sondern mit Ernst und Krampf. Und mit der falschen Vermutung, dass vor allem die Schönheit glücklich macht!

Die Werbung lehrt Irrglauben an die Schönheit. Dabei macht sie uns in der Regel zuerst schlecht: Anklagend erinnert sie daran: Die Haut ist zu trocken, die Brüste sind zu schlaff, die Lippen zu schmal. Den  Frauen und zunehmend auch uns Männern wird mitgeteilt, dass unser Körper gestrafft, geformt, gefärbt und aufgepolstert werden muss. Wer das Ernst nähme, müsste sich in die Ecke verkriechen und dort bitterlich über seine Hässlichkeit weinen. Dabei wissen wir doch, dass kein Mensch makellos und ohne Narben durch die Welt gelangt, wir aber trotzdem glücklich sein können.

Warum uns Schönheit oft so wichtig, und doch wiederum nicht so wichtig ist, sagt ein bekannter Bibelspruch. Der Mensch sieht, was vor Augen ist, Gott aber sieht das Herz an. Er sieht die Schönheit, die außen vor ist, und er sieht die Schönheit innen drin. Und manchmal stimmen sie nicht überein. Und dann ist es wichtiger, wie es drinnen aussieht.

Wenn wir üben, ein bisschen tiefer zu schauen und nicht nur am Äußerlichen hängen zu bleiben, geben wir denen eine Chance, die nicht so hübsch sind. Vielleicht sogar mit einem angeborenen entstellenden Fehler leben müssen. Wir geben aber auch den Schönen eine Chance. Schönheit macht zwar statistisch gesehen erfolgreich. Aber – so einschlägige Untersuchungen: Schönheit macht nicht glücklich.

Schönheit macht misstrauisch. Schöne Menschen haben es schwer zu vermitteln, dass sie nicht nur begehrenswert, sondern auch liebenswert sind. Nur wer tiefer blickt, kann sehen, dass auch schöne Menschen warmherzig sein können und treu. Schöne haben vielleicht nicht nur am Äußeren poliert sondern auch am inneren Menschen gearbeitet, Sie sind vielleicht nicht nur schöne, sondern auch gute Menschen. mit einem festen starken Herz. Und wenn auch wir ein starkes und festes Herz haben, dann werden wir glücklich sein, ob wir dabei besonders schön sind oder nicht.

Audiobeitrag "Schönheit und unser Glück"


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