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"Jesus ist kommen" (EG 66)
Über dem Altarraum der Kirche spannt sich ein riesiger Triumphbogen. Und auf dem Bogen stehen die Worte: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
Das sind Worte aus dem Neuen Testament. Ihre Botschaft ist klar: wir führen unser Leben unter dem weiten Bogen, den Jesus Christus für uns gespannt hat. Jesus Christus, so heißt es dort weiter, ist vor aller Zeit. Er, der Sohn Gottes, hat die Welt mit Gott zusammen geschaffen. Jesus Christus ist in aller Zukunft. Er regiert mit dem Vater und dem Heiligen Geist in Ewigkeit. Und Jesus Christus ist heute bei uns.
Choral: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude; A und O, Anfang und Ende steht da. Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! Himmel und Erde, erzählet`s den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.
Sprecher: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude; A und O, Anfang und Ende steht da. Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! Himmel und Erde, erzählet`s den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.
Ich mag dieses Lied sehr. Klar und deutlich sagt es, was wichtig ist im christlichen Glauben. Es weist uns ganz zentral zu Jesus:
Sprecher: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
Gedichtet hat das Lied 1736 Johann Ludwig Konrad Allendorf. Er war damals evangelischer Pfarrer in Köthen. Seinem Text legte er eine schwungvolle Melodie zu Grunde, die ein paar Jahre älter war. Um die 130 Lieder hat Allendorf insgesamt gedichtet. Einzig "Jesus ist kommen" hat die Jahrhunderte überdauert und wird noch heute in vielen Gottesdiensten gesungen.
Choral: Jesus ist kommen, nun springen die Bande, Stricke des Todes, die reißen entzwei. Unser Durchbrecher ist nunmehr vorhanden; er, der Sohn Gottes, der machet recht frei, bringet zu Ehren aus Sünde und Schande; Jesus ist kommen, nun springen die Bande.
"Jesus ist kommen": das ist geradezu ein "Werbelied" für den Glauben an Jesus. Es gibt wohl kaum ein Lied, in dem der Jesus-Name so häufig vorkommt - gerade auch durch die stetige Wiederholung von erster und letzter Zeile, wo Aussagen über Jesus gemacht werden. Sogar Himmel und Erde werden in diesem Werbelied mit einbezogen: "Erzählet`s den Heiden" und "Rühmt seine Gewalt!" Sogar dem Satan wird in einer der vielen Strophen entgegen geschleudert, wer Jesus ist: "Fühlst du den Stärkeren, Satan, du Böser? / Jesus ist kommen, der starke Erlöser." Seinen Höhepunkt findet das Lied in der letzten Strophe:
Choral: Jesus ist kommen, sagt`s aller Welt Enden. Eilet, ach eilet zum Gnadenpanier! Schwöret die Treue mit Herzen und Händen. Sprechet: wir leben und sterben mit dir. Herzensfreund, gürte mit Wahrheit die Lenden! Jesus ist kommen, sagt`s aller Welt Enden.
Sprecher: Jesus ist kommen, sagt`s aller Welt Enden. Eilet, ach eilet zum Gnadenpanier! Schwöret die Treue mit Herzen und Händen. Sprechet: wir leben und sterben mit dir. Herzensfreund, gürte mit Wahrheit die Lenden! Jesus ist kommen, sagt`s aller Welt Enden.
Und das ist nun eben auch die Aufgabe für uns Christen heute: "Sagt`s aller Welt Enden": Jesus ist gekommen. Ludwig Allendorf hat dies mit einer Sprache getan, die ihm vor 270 Jahren zur Verfügung stand - und zwar für Menschen, die vor 270 Jahren lebten. Wir aber müssen heute eine andere Sprache wählen, wenn wir unseren Mitmenschen Jesus verständlich bezeugen wollen. Würden wir beispielsweise jemand mit den Worten ansprechen: "Eile, ach eile zum Gnadenpanier!" - dann wird er wahrscheinlich nicht verstehen, was wir meinen. Deshalb ist es wichtig, dass wir für uns selbst überlegen und in unserer eigenen Sprache formulieren, wer Jesus für uns ist. So bleibt unser Glaube lebendig.
Das Lied von Allendorf kann uns dabei wichtige Impulse geben. Denn er selbst hat ja für sich auf den Punkt gebracht, was Jesus für ihn bedeutet: "Jesus ist Grund ewiger Freude".
Und was sage nun ich selbst? Wer ist Jesus für mich? Ich habe in den unterschiedlichen Phasen meines Lebens mal diesen, mal jenen Aspekt hervorgehoben. Zentral wichtig ist jedoch für mich geblieben, dass ich mein Leben unter diesem weiten Bogen gestalten kann:
Sprecher: Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
Meine Vergangenheit ruht bei Jesus in guten Händen. Ich brauche mich nicht wund zu reiben an Fehlern, die ich in der Vergangenheit begangen habe. Ich kann das mit Jesus besprechen und ihn um Vergebung bitten. Vergangenheit: Dazu gehört ja auch all das, was uns mit in die Wiege gelegt worden ist. Mancher reibt sich daran wund, dass er nicht clevererer, nicht stärker, nicht erfolgreicher ist. Nicht jeder hatte ein gutes Elternhaus. Dennoch: Wir Christen leben unter einem Triumphbogen. Wir sind reich. In der Nachfolge von Jesus stehen wir auf der Seite des Siegers. Deshalb können wir uns auch mit uns selbst und mit unserem Elternhaus versöhnen.
Außerdem darf ich wissen: auch meine Zukunft ruht in den starken Händen von Jesus. Mein irdisches Leben hat ein klares Ziel: das ewige Leben mit Jesus Christus in Gottes ewigem Reich. Das gibt mir Kraft für heute.
Choral: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freude; A und O, Anfang und Ende steht da. Gottheit und Menschheit vereinen sich beide; Schöpfer, wie kommst du uns Menschen so nah! Himmel und Erde, erzählet`s den Heiden: Jesus ist kommen, Grund ewiger Freuden.
Das war Kirche in WDR 3 mit Pfarrer Reinhard Ellsel aus Bielefeld über den Choral Jesus ist kommen, Text von Johann Ludwig Konrad Allendorf. Musikalische Bearbeitung von Jochen Rieger. Es sangen Der Jubilate-Chor unter der Leitung von Wilfried Mann.
"Jesus ist kommen" (EG 66)
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