Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.07.07, 5.56 Uhr, Pfarrer i. R. Burkhard Müller

"Trost und unser Glück"

Eine bizarre Steinsäule irgendwo in der Steinwüste oberhalb vom Toten Meer. „Das ist Lots Weib“, flüsterten sich die Leute zu.

Auf der Flucht aus der Feuer-Katastrophe von Sodom und Gomorra habe sie sich einfach nicht von dem schauerlichen Bild der brennenden Heimatstadt lösen  können. Da sei sie zu einer Salzsäule erstarrt.

Die Botschaft dieser Sage ist klar: Wer sich nicht lösen kann von den Schrecken, sondern immer wieder wie gebannt auf das Unglück zurückblickt wie Lots Weib, dessen Seele wird erstarren. Wer wie ein Unglückrabe auf den schwarzen Eiern seines Unglücks brütet, dem wird nie das Glück ausschlüpfen.

Als Gott der Schöpfer sprach, es werde Licht, da ward es licht. Von dem vielen kosmischen Licht  soll es  ausgerechnet in meinem Leben nichts geben? Dieser Gott, der das Licht in alle Finsternis scheinen lässt, wird er auch „Gott des Trostes“ genannt.

Ein starkes Katechismuswort erläutert diesen Trost so: Mein einziger Trost im Leben und im Sterben ist, dass ich Jesus Christus angehöre. Das ist ein wunderbarer Satz. Nur, denke ich, dieser schöne Satz wohnt in einem Stockwerk ganz oben, während viele mit ihrer Trauer gleichsam unten im Keller hausen. Der Katechismustrost hängt ihnen zu hoch. Welcher Trost Gottes aber erreicht mich da, wo ich traurig bin?

Ist es Zeit, die er uns gibt? Denn Zeit heilt Wunden. Oder finde ich Trost, weil ich mich bei Gott im Gebet ausweinen darf? Oder sind gute Freunde, die zuhören können, Gottes Trostboten?

Der Hochgelehrte Theologe Thomas von Aquin hielt es tatsächlich für nötig, sich über Gottes natürliche Trostmittel Gedanken zu machen. Und er kommt dabei mitten in seinen theologischen Ausführungen zu erstaunlich praktischen Ratschlägen. „Nimm ein warmes Bad! Schlaf dich gründlich aus!“

Vielleicht flüstert uns der Trost Gottes tatsächlich irgendwann ins Ohr: Gönn dir was Gutes, Wellness tut gut. Iss, geh zum Friseur, kleide dich neu ein.

"Die roten Flecken dort am Arm meiner Kleinen gehen einfach nicht weg", sagt eine gestresst wirkende Frau zur Kinderärztin Die sieht sich die Flecken an. Dann holt sie eine Salbe mit klangvollem Namen. "Die reiben Sie bitte ein. Jeden Morgen und jeden Abend 10 Minuten lang. Das machen Sie bitte 14 Tage, dann wird es besser werden." "Ehrlich?", fragt die Mutter etwas skeptisch. Aber es wird besser. Dabei hatte die Salbe kaum Wirkstoffe. Das Geheimnis des Erfolgs war die Zeit, die sich die Mutter für das Kind genommen hat.

Das Streicheln tat der Mutter gut, es tat dem Kind gut. Und die roten Flecken waren auf einmal verschwunden. „14 Tage lang, 2 mal 10 Minuten“. lautet der Trost Gottes für diese gestresste Mutter und ihr Kind.

Für jedes Leid gibt es Trost. Für jeden Traurigen gibt es Glück. Vielleicht muss man allerdings mit Jesus sagen: „Sucht den Trost, dann werdet ihr ihn auch finden.“

Audiobeitrag "Trost und unser Glück"


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