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Politisch korrektes Helfen
Ein warmer Sommerabend. Ich sitze mit einem Freund in einem Straßencafé, vor uns steht ein Bier, und unsere Pizza kommt auch gleich.
Während wir uns nett unterhalten, schleicht ein älterer Mann an unseren Tisch. Abgeranzte Klamotten, Zottelbart, auf dem Kopf eine Wollmütze. Er entschuldigt sich vielmals für die Störung und erzählt uns eine völlig wirre Geschichte, warum er dringend Geld braucht.
Ich glaube ihm kein Wort von seiner Story. Trotzdem zücke ich mein Portemonnaie und überlasse ihm etwas Kleingeld. Er bedankt sich, als hätte ich ihm ein Vermögen geschenkt, macht eine Verbeugung und zieht weiter.
Mein Freund rückt in solchen Situationen grundsätzlich kein Geld raus. Er sagt, er will nicht anderer Leute Sucht unterstützen. Und dass meine Spende die Probleme von Obdachlosen nicht lösen kann.
Da ist vielleicht was dran. Aber ich habe einfach keine Lust, mich bei jedem Bittsteller als Therapeut aufzuspielen. Für mich ist das Ganze eher so eine Art Geschäft mit klaren Regeln: Ich gebe dir ein paar Cent, als Gegenleistung kann ich mich ein bisschen gut fühlen und hab meine Ruhe.
Und weil mein Geschäftspartner ein erwachsener Mensch ist, geht es mich eigentlich auch nichts an, ob er sich von seinem Geld ein Bier kauft oder ein Brötchen.
Sprecher: Michael Birgden
Politisch korrektes Helfen
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