Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

04.07.07, 05-06 Uhr, Thomas Förster

Umzug

Auf dem T-Shirt steht „Wir haben fertig – Abi 2001“. Das habe ich damals an meinem letzten Tag an der Schule getragen.

Und noch viel öfter - bis mir die Löcher zu groß und die Farben zu verwaschen waren. Seitdem habe ich es in einem Karton im Keller aufbewahrt. Nun stopfe ich es wehmütig in die Tüte mit den Altkleidern. Morgen geht`s zum Recyclinghof. Dann muss auch der alte Scanner mit, den ich längst gegen einen Besseren ausgetauscht habe. Und der alte Fernseher, die schon ewig nicht mehr gebrauchten Langlaufskier und der alte Dachgepäckträger für das längst verschrottete Auto. Ich weiß: Ich kann mich von Sachen einfach schwer trennen.

Aber jetzt kann ich mir solche Sentimentalitäten nicht mehr leisten. In einem Monat ziehe ich um. Die neue Wohnung ist schöner, zentraler, aber leider nicht größer. „Du musst radikal wegschmeißen!“, lautet die Diagnose meiner Freundin. „Du darfst nur mitnehmen, was du wirklich brauchst. Es ist doch Schwachsinn, so viele Dinge mit dir rum zu schleppen. Die belasten dich doch bloß!“

Ein Sprichwort sagt: Das letzte Hemd hat keine Taschen. Es meint: Wenn du tot bist, kannst du gar nichts mehr mitnehmen. Da, wo du dann hingehst, brauchst du sowieso nichts mehr. Spätestens, wenn’s ans Sterben geht, kommt’s darauf an, ob du zu Lebzeiten gelernt hast, dich von Dingen zu trennen. „Da kannst du gar nicht früh genug mit anfangen, das zu lernen“, sagt meine Freundin. „Da ist so ein Umzug eine super Übung!“

Sprecher: Michael Birgden

 

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