Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

06.07.07, 16-17 Uhr, Thomas Förster

Gefriergetrocknet

„Mama, haben sie den Uropa vom Sebastian auch rasiergetrocknet?“ Da hatte Marie, die vierjährige Tochter meiner Freundin, wohl was falsch verstanden.

Beim Frühstück kam im Radio die Meldung, in Schweden wolle man die Körper von Verstorbenen gefriertrocknen und erst dann in der Erde bestatten. Das sei viel umweltschonender. Eine Bio-Beerdigung sozusagen.

Marie hatte bald das Interesse daran verloren, was mit dem Uropa ihres Kindergartenfreundes passiert war. Aber meine Freundin und ich diskutierten noch lange über das Thema „Beerdigung“. Ich bestand darauf, nach meinem Tod ganz normal in der Erde begraben werden. Aber in einem Sarg, der vorher von allen meinen Freunden auf einem großen Abschiedsfest bunt angemalt werden soll. Sie wollte sich lieber verbrennen lassen und ihre Asche soll dann auf hoher See verstreut werden. Weil sie das Meer so liebt. So haben wir geredet und geredet. Über das beerdigt werden, über das Sterben und über das Leben. Ich habe mich sogar getraut zu erzählen, worüber ich mit ihr vorher noch nie gesprochen habe: Dass ich mir sicher bin, dass Gott nach meinem Tod auf mich wartet. So haben wir uns viele Dinge gesagt, die wir noch gar nicht voneinander wussten.

Es war ein richtig schöner Vormittag auf dem sonnigen Balkon. Nur weil in Schweden Tote demnächst gefriergetrocknet werden sollen. Und weil Marie das falsch verstanden hat.

Sprecher: Michael Birgden

 

Audiobeitrag Gefriergetrocknet


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