Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.06.07, 5.56 Uhr, Pastorin Sabine Steinwender- Schnitzius

Campingseelsorge

Weißes T-Shirt, dunkle Shorts und ausgelatschte Schuhe – so sieht sie aus, die Arbeitskluft von Stephan Teichmann.

Ob rasiert oder nicht, spielt keine Rolle, denn seine Kunden sind es meist auch nicht. Und genau wie sie lebt auch er auf vier Rädern. In einem Wohnwagen. Stephan Teichmann ist nämlich Campingseelsorger und arbeitet dort, wo andere Urlaub machen: Auf den Zeltplätzen Nordrhein Westfalens.

O-Ton: "Das Programm spielt sich irgendwo ab zwischen Gottesdienst und Lagerfeuer, zwischen Nachtwanderung und Abendsegen und zwischen Morgengebet und Kaffeetrinken."

Autorin: Kirche unterwegs ist auf mehreren Campingplätzen gleichzeitig. Daß dies überhaupt möglich ist, verdankt Stephan Teichmann seinen rund fünfzig ehrenamtlichen Helfern. Viele aus dem Team kennen sich schon seit Jahren und sind eingespielt. Doch auch viele Camper kennen „Kirche unterwegs“ und erwarten sie. Wenn sie aus irgendeinem Grund einmal nicht auftaucht:
 
O-Ton: "... dann werden wir vermisst. Dann gibt es auch Anfragen, warum seid ihr nicht gekommen, was war los. Man könnte fast sagen, daß die Menschen enttäuscht sind und gefragt haben, warum läßt Kirche uns im Stich. Es kann sein, daß die Kirche unterwegs doch dazu beiträgt, daß Urlaub ne Runde Sache wird."

Autorin: Zum einen wegen des umfangreichen Programms für Kinder und Jugendliche, aber auch wegen der vielen Gespräche, die sich scheinbar zufällig ergeben.

O-Ton: "Seelsorge muss Möglichkeit haben und Gelegenheit haben. Eine Gelegenheit sind Nachtwanderungen. Andere Gelegenheiten sind geselliges Zusammensitzen. Also, möglichst viele Möglichkeiten zum Gespräch schaffen, das schafft auch Seelsorge."

Autorin: Dabei sucht sich jeder das aus, was ihm besonders liegt.

O-Ton: "Komischerweise gehen bei den Nachtwanderungen viele Väter mit, die sonst nicht auftauchen. Und dann kann es auch passieren, daß man ne ganze Zeit mit einem Vater zusammengeht und sich das Leben erzählt. Das ist ein Stück Seelsorge für diese Menschen, die das genau brauchen an der Stelle. Einmal aussprechen reicht manchmal."

Autorin: Die meisten Camper haben sonst keinen Kontakt mit Kirche. Kein Wunder, unter der Woche arbeiten sie und am Wochenende bzw. in den Ferien sind sie auf dem Campingplatz. Stephan Teichmann – der gelernte KFZ Mechaniker und Diakon – macht seinen Job bereits seit knapp drei Jahrzehnten. Sein Resümee:

O-Ton: "Wir beobachten, dass wer gute Erfahrungen mit Kirche unterwegs gemacht hat, auch wieder kommt. Zuerst als Kind, als Jugendlicher entfernt man sich so langsam von der Sache und nach zehn Jahre tauchen plötzlich stolze Mütter und Väter auf und bringen ihre eigenen Kinder in die Kinderstunde wieder, so wie sie damals von ihren Eltern gebracht wurde. Beziehungsarbeit auf dem Campingplatz geht oft über Generationen, genau wie in der Kirchengemeinde."

Autorin: Wenn andere wieder arbeiten müssen, dann macht Stephan Teichmann Urlaub. Allerdings nur von der Seelsorge. Und nicht vom Campen:

O-Ton: "Wir haben einen Wohnwagen, der ist inzwischen 38 Jahre alt und mit dem fahren wir durch Europa und durch Deutschland."

 

Audiobeitrag Campingseelsorge


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