Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

20.06.07, 6.56 Uhr, Pfarrer Ralph Frieling

Unser täglich Brot

Liebe Hörerinnen und Hörer, guten Morgen! Unser tägliches Brot gib uns heute, heißt es im Vater Unser.

Nun ist es ja nicht so, als ob uns das tägliche Brot oder Brötchen fehlen würde. Zu essen haben wir genug. Die Zeiten der Not und des Hungers sind Geschichte. Die älteren und auch meine Großmutter haben sie erlebt.

Ich habe sie noch im Ohr, Omas Erzählungen, wie sie im Krieg Bucheckern sammeln ging, um daraus irgendetwas essbares zu machen. Ich, das Kind, schaute sie groß an. Bucheckern? Einer, der nie hungern musste, kann es nicht nachvollziehen, wie das ist, beim Kochen mit dem wenigen improvisieren zu müssen, damit alle halbwegs satt werden. Lebensmittel weg zu schmeißen oder im Restaurant nicht auf zu essen - das kam für die Großmutter nicht in die Tüte. Ganz einfach aus dem Grund, weil sie es am eigenen Leib erfahren hatte, wie kostbar Lebensmittel waren, früher.

Solche Hunger-Geschichten von damals kursieren in den meisten Familien, und meistens rollen die Jungen dann irgendwann mit den Augen. „Ist ja gut, Oma!“ - Unser täglich Brot gib uns heute: das war für meine Oma eine ernst gemeinte Bitte, damals.

Und heute: Wir leben im Überfluss, haben Brot satt und Kuchen und alles, was das Herz begehrt. Trotzdem ist die Bitte ums tägliche Brot heute so notwendig wie eh und je. Denn wenn ich über diesen so oft nur dahingemurmelten Satz im Vater Unser nachdenke, dann lehrt er mich Achtsamkeit. Das tägliche Essen ist kostbar. Wie gut es schmecken kann, das Brot. Wie wertvoll das Essen ist oder vielmehr sein sollte. Das Problem bei uns ist nicht der Hunger, sondern unser verschwenderischer Umgang mit der Nahrung.

Den Wert des Essens zu entdecken, das ist uns abhanden gekommen, weitgehend. Das Essen wird hinein gestopft, billig soll es sein und billig wird es produziert. Die Tropenwälder werden gerodet, damit dort genug Futterpflanzen wachsen für die die Rinder in Europa. Die Tiere werden wie Industrieprodukte behandelt und verwertet. Die Gülle versickert im Grundwasser.

Die Art und Weise, wie wir uns ernähren, was wir kaufen, ist nicht nur eine Privatsache. Es geht nicht nur darum, ob ich mit meinen Essgewohnheiten dick werde oder krank. Auch die Umwelt und die Natur werden in Mitleidenschaft gezogen und Angestellte in der Dritten Welt und bei uns, die die Lebensmittel zum Discount-Preis herstellen sollen. Das Essen macht uns nicht nur satt. Es ist auch eine Einstellungssache, wie wir uns ernähren.

Und wie lässt sich die Freude an den Lebensmitteln hoch halten? „Erachte den Reis für so kostbar wie dein Augenlicht und behandle ihn so.“, sagt der amerikanische Koch und Zenmeister Edward Brown in dem neuen Kinofilm „How to cook your life“, „Wie du dein Leben kochst“. Gutes, einfaches Essen hat viel mit unserem Leben zu tun.

Unser tägliches Brot gib uns heute: Mit diesem Satz verbinde ich die Bitte: Lass uns achtsam mit dem Essen umgehen. Lass uns den Wert des Essens entdecken und schmecken. Lass uns dir danken, Gott.

Audiobeitrag Unser täglich Brot


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