Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

18.06.07, 8.56 Uhr, Pfarrer Ralph Frieling

Hört Gott?

Liebe Hörerinnen und Hörer, guten Morgen! Wenn wir mit jemandem in Kontakt treten wollen, dann reden wir mit ihm. Mit Gott ist das genauso.

Sprecherin: "Hörst du mich? Kannst du verstehen, was ich sage? Hörst du, wie ich rufe, wie ich flüstere, wie ich weine und wie ich mich freue? Leih mir dein Ohr und nimm es wahr, wenn ich lache und singe und wenn ich glücklich bin. Aber hör auch weiter hin, wenn ich seufze und klage. Und komm noch etwas näher, wenn mir die Worte fehlen, Gott, erhöre mich."

Hört Gott unser Beten? Die 12 Jünger haben diese Frage Jesus gestellt. So erzählt es das Lukasevangelium. Jesus antwortet ihnen mit einem Gleichnis, einer Geschichte über gute Nachbarschaft.

Jemand steht vor der Tür und bittet um drei Brote, das allerdings mitten in der Nacht. Alle schlafen schon. Es ist eine Mutprobe, da zu klingeln oder - damit es nicht zu laut ist, vorsichtig, aber hartnäckig zu klopfen. Das Licht geht an. „Ich weiß schon“, sagt der Ruhestörer zum Hausherrn, „du schläfst, tut mir leid, aber ich habe einen guten Grund, ein Bekannter ist gerade angekommen, er ist auf der Durchreise. Wir haben uns lange nicht gesehen. Er hat Hunger, also, um`s kurz zu machen - hast du noch Brot da?“ Und der von drinnen flüstert laut zurück: „Sag mal, weisst du, wie spät es ist? Meine Kinder schlafen, meine Frau auch, und jetzt soll ich noch den Haustürschlüssel suchen, sag mal: bist du jetzt völlig verrückt geworden?“

Nun steht er aber schon mal da, der Nachbar, wenn auch zur Unzeit. Und der andere schließt also die Tür auf, geht in die Küche, sucht die Brote zusammen. Immerhin, der andere hat nun, was er will und zieht sich zurück.

Ein Bild, das wir nachvollziehen können. Den anklopfenden Nachbarn kennen wir. Und die Aufregung über manche nächtliche Ruhestörung kennen wir auch.

Mit diesem Bild vergleicht Jesus das Beten - oder vielmehr den Beter, die Beterin. Sie dürfen ruhig so sein wie der nächtliche Ruhestörer. So als wollte Jesus sagen: Nur Mut, klopf an! Trau dich, dich mit deinen alltäglichen Wünschen und Sorgen an Gott zu wenden. Ihm kannst du`s sagen.

Du kannst ihm sagen, was dich was dich belastet und bedrückt. Nur zu! Auch wenn es Sorgen mitten in der Nacht sind. Auch wenn dir sonst jetzt keiner zuhört und auch keiner mehr zuhören will: bei Gott kannst du anklopfen. Mag sein, du tust es zaghaft erst, klopfst leise an nach langer Zeit, in der das Beten keine Rolle gespielt hat. Gott hört es. Mag sein, du hämmerst an die Tür mit deiner Klage oder mit deiner Wut. Gott hört es. Und bei Gott gibt es keine Unzeit. Der mutige Ruhestörer, der ist wie einer, der betet. Hab Mut, trau dich, nur zu. Auch wenn du mit leeren Händen vor Gott stehst. Auch wenn du dir komisch vorkommst, auch wenn es nach langer Zeit ist, und auch wenn dir Gott so weit weg scheint. Er hört dich.

 

Audiobeitrag Hört Gott?


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