Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

23.06.07, 8.56 Uhr, Pfarrer Ralph Frieling

Dein ist das Reich

Einen guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer! Wenn wir das Vater Unser sprechen, nehmen wir am Ende den Mund sehr voll.

Mag sein, wir sprechen das Gebet Jesu nur leise mit, oder sagen es schnell daher, zu Hause, vielleicht am Kinderbett oder am Mittagstisch oder sonntags in der Kirche. Am Ende, vor dem Amen, stehen aber immer diese großen Worte: Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Dieses Lob Gottes steht am Schluss.

Große Worte, wie gesagt, von denen wir - wenn man es näher bedenkt - aber eine Menge Kraft schöpfen können in unserem Alltag.

Der ist oft alles andere als herrlich. Im Gegenteil. Soll ja vorkommen, dass wir uns eher am Ende fühlen, kraftlos halt, und dass wir an unsere Grenzen stoßen mit der eigenen Motivation und dem Lebensmut.

Dazu gibt es eine Geschichte in der Bibel. Elia, der Prophet, war für den Gott Israels eingetreten gegen die fremden Götter, die von der ausländischen Königsfrau ins Land Israel mitgebracht worden waren. Auf dem Berg Karmel kam es zur Entscheidung: wer ist mächtiger, der Gott Israels oder der Fruchtbarkeitsgott Baal? Gott selbst sprach sein Urteil und ließ Feuer vom Himmel regnen. Die Baalspriester kamen um. Elia fürchtet die Rache der Königin und - müde von der Gewalt - flieht er in die Wüste.

Elia will nicht mehr. Auch Propheten kommen ans Ende ihrer Kräfte. Elia legt sich unter einen Wacholderstrauch und will nur noch eins: sterben. Genug der Gewalt, sagt er zu Gott, ich habe genug, mach ein Ende mit allem, mit mir. Und Elia schläft ein. Wie er da zusammen gebrochen in der Wüste liegt und sein Leben aufgeben will unter der glühenden Sonne, passiert ein Wunder. Jemand rührt ihn an, ein Bote Gottes, wie es heißt, und er sagt: Steh auf, und iss und trink. Elia sieht geröstetes Brot vor sich und Wasser. Diese Begegnung zeigt ihm: er ist nicht allein in der Wüste, es gibt jemanden, der sich um ihn kümmert und der jetzt keine Vorwürfe macht. Da ist jemand, der ihn mit einer Berührung, mit einer Geste anspricht und ihm das Lebensnotwendige anbietet, Wasser und Brot.

Nachdem Elia gegessen und getrunken hat, schläft er ein zweites Mal ein. Er muss sich regenerieren. Und der andere, Gottes Bote, kommt ein zweites Mal, gibt ihm wieder Brot und Wasser und sagt zu ihm: Steh auf, iss und trink, sonst ist der Weg zu weit für dich. Elia nimmt von dem Brot und trinkt das Wasser und er steht auf und geht weiter zu einem Berg, wo er Gott neu spüren wird.

Diese Geschichte zeigt mir, wie elementar wir etwas von Gottes Kraft und Herrlichkeit spüren können: nicht mit großen Engelschören und Donner und Blitz, wohl aber durch Menschen, die Mut machen, die wie ein Bote Gottes daher kommen und dich anrühren.

Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Wir beten das zu Gott und können dann anderen vielleicht etwas von seiner Kraft weitergeben und sie Gottes Herrlichkeit spüren lassen.

Audiobeitrag Dein ist das Reich


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