Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

05.06.07, 8.56 Uhr, Präses Nikolaus Schneider

Kolosser 1, 13

„Der Vater hat uns errettet von der Macht der Finsternis und hat uns versetzt in das Reich seines lieben Sohnes.“ So heißt in einem Brief aus dem Neuen Testament

Es geht dabei um eine Aussage, die auf dem Hintergrund der Rechtsverhältnisse der damaligen Zeit in ihrer eigentlichen und tiefen Bedeutung zu verstehen ist. Gott, unser Vater, hat seinen Sohn Jesus Christus als Erben für das Reich seiner Gerechtigkeit eingesetzt. Und wir, die wir durch unseren Glauben Geschwister Jesu sind und deshalb zu Gottes Familie gehören, sind Miterben des Gottesreiches und werden auf diese Weise von der Macht der Finsternis befreit.

Auch wenn uns das mehr juristisch als theologisch anmutet: es erklärt, auf welche Weise Errettung von der Macht der Finsternis und ein von Gott gesegnetes Leben im Licht möglich sind: es geht um Gottes Wirken und um unseren Glauben!

Auf unserer Seite ist allein entscheidend, Jesus Christus als Bruder auf dem eigenen Lebensweg zu entdecken und zu glauben, dass er als Sohn Gottes durch Kreuz und Auferstehung hindurch nun wirklich zur Rechten Gottes sitzt. Denn das ist ein herrschaftlicher Platz. ‚Dazu hat Gott ihn erhöht und hat ihm einen Namen gegeben, der über allen Namen ist, dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind’, so ein Bekenntnis, das uns vom Apostel Paulus überliefert wurde. Und mehr noch: das alles ist gleichsam juristisch gewiss. Wir können uns darauf so sicher verlassen wie bei einem Erbe unserer irdischen Eltern.

Die Generationenfolge dieser Familie reicht bis in unsere Zeit. Auch das Gottesreich wird weiter vererbt. In ihm sind wir vor der Macht der Finsternis errettet. Zwar erleben wir es bis auf diesen Tag, dass die Finsternis nach uns greift. Es gelingt ihr auch manchmal, unser Tun und Denken zu bestimmen. Wie häufig sagen wir Dinge, die wir schon nach dem Aussprechen bereuen und eigentlich auch gar nicht so meinen. Wie häufig lassen wir uns zu Handlungen hinreißen, von denen wir klar wissen, dass sie uns und anderen nicht gut tun! Die Finsternis gehört zur  Realität unseres Lebens, wir wissen das.

Streit, Lüge, Gewalt, Krieg, aber auch Krankheiten und der Tod sind Zeichen dafür, dass die Finsternis noch ein mächtiger Teil unserer Wirklichkeit ist. Entscheidend aber ist, dass wir das nicht einfach achselzuckend zur Kenntnis nehmen oder uns ihm resignierend anheim geben. Entscheidend ist, dass wir uns und unsere Lage  in einer neuen Perspektive sehen lernen: in der Perspektive des Gottesreiches, die uns durch Jesus eröffnet wurde.

Die Macht der Finsternis ist gebrochen. Sie hat nicht das letzte Wort. Sie muss und wird nicht dauerhaft und endgültig unser Leben bestimmen. Ganz im Gegenteil. Wesentlich und entscheidend ist:  Gott hat uns durch Jesus Christus grundsätzlich von der Finsternis befreit. Christus regiert schon jetzt eine neue Wirklichkeit. Gott hat ihn dahin geführt. Gott war mit Jesus Christus unterwegs auf dieser Erde und hat ihn am Kreuz nicht verlassen. Gott hat ihn auferweckt von den Toten. Um die Herrschaft in Gottes Reich anzutreten ist Christus gestorben und auferstanden.

In dieses Reich hinein gehören nun auch wir – das ist so sicher wie eine Erbschaft. Bezeugt wird dieses Reich auf dem 31. Deutschen Evangelischen Kirchentag in Köln, der morgen beginnt. Auch in Köln werden wir feiern und erfahren: wir sind Schwestern und Brüder Jesu Christi und mit ihm zusammen Gottes Kinder. Wenn wir das mit Herz und Verstand begreifen, dann haben wir das Entscheidende verstanden für den heutigen Tag. Einen gesegneten Tag befreit von der Macht der Finsternis wünsche ich Ihnen allen!

Audiobeitrag Kolosser 1, 13


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