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Jes. 54, 5
Das Leben kann einem Menschen schon übel mitspielen. Wir wissen das, liebe Zuhörer und Zuhörerinnen. Jede und jeder von uns kann vermutlich ein längeres oder
kürzeres Lied davon singen. Das gilt auch für die Menschen, die ihr Leben an Gottes Wort und Weisung binden. Gottes Gegenwart und Gottes Liebe bewahrt Menschen nicht davor, Leid zu erfahren oder angefochten zu werden. Das galt und gilt für das Volk Israel und für Christinnen und Christen durch die Jahrhunderte hindurch.
Darum brauchen wir Gottesworte, die zu uns durchdringen, wenn wir mit unserer Kraft am Ende sind: Dein Erlöser ist der Heilige Israels, der aller Welt Gott genannt wird.
Das wurde vor mehr als 2600 Jahren Israel gesagt. Und zwar denjenigen, die Krieg und Vertreibung erlitten und überlebt hatten. Das war ein kleiner Rest, fern der Heimat, verzweifelt, ohne Hoffnung auf Rückkehr, das Ende seiner Existenz als Volk vor Augen. In dieser Lage gab es nichts mehr zu verhandeln oder zu organisieren. Ein Aufstand, um sich zu befreien, war aussichtslos. Flucht nach Hause undenkbar. Die Sieger waren einfach zu gut organisiert, ihre Macht und Fähigkeit, Gewalt auszuüben, zu übermächtig. Und eine Heimat gab es im Grunde auch nicht mehr. Denn ihr Heimatland Israel war verwüstet und zerstört, war von Fremden besetzt und von Fremden regiert.
Dein Erlöser ist der Heilige Israels, der aller Welt Gott genannt wird! Ein starker Ton, ein Paukenschlag gleichsam ist das Wort des Propheten in diese Situation. Gott selbst will eingreifen. Gott selbst wird der Erlöser seines Volkes sein, will die Fesseln der Menschen lösen, die sichtbaren und die unsichtbaren. Eine heilsame und Notwendende Erinnerung ruft der Prophet wach: der Heilige Israels, dein Erlöser das ist dein Gott, der dein Volk und damit auch dich(!) aus Ägypten befreit und gerettet hat.
Gott hat sein Volk befreit - das ist kein Märchen aus uralten Zeiten, das deine leidvolle Gegenwart verdrängen soll. Wer daran denkt, wie Gott Israel aus dem Sklavenhaus in Ägypten befreit und gerettet hat, der setzt hier und jetzt, inmitten der Fremde, die Rückkehr in eine neue Heimat in Gang auch wenn alle äußeren Umstände dagegen sprechen.
Denn der Heilige Israels ist keine schöne philosophische Idee, kein Hirngespinst und keine kindliche Wunschvorstellung. Der Heilige Israels ist die reale und lebendige Macht, die über Sein oder Nichtsein seines Volkes und aller Menschen entscheidet. Der Heilige Israels ist der Gott, der Neues, Unbekanntes, Unerhörtes und nicht zu Erwartendes schaffen kann und will. Gott ist der Schöpfer aller Welt. Deshalb wird er aller Welt Gott genannt, wie der Prophet es ausdrückt. Und sein Bund mit Israel zielt weiter als auf das Schicksal dieses Volkes. Gott nimmt die ganze Welt in seinen Blick.
Einen Menschen aus dem Volk Israel hat der Heilige Israels als Brücke zwischen seinem Volk und der Völkerwelt ausersehen. Jesus Christus hat im Namen dieses Gottes aller Welt allen Menschen Zugang zu Gott, dem Erlöser, eröffnet. Auch darüber wird heute auf dem Kirchentag in Köln nachgedacht. Unsere römisch-katholischen Geschwister bezeugen es durch ihre Fronleichnamprozessionen auf ihre Weise. Liebe Hörerinnen und Hörer, dieses Wort des Propheten Jesaja gilt heute Morgen auch uns: Dein Erlöser ist Gott! Auch uns kann und will Gott Neues schaffen, wenn wir verzweifelt und am Ende sind. Ja, Gott wirbt geradezu um uns: lasst Euch von mir helfen, lasst mich derjenige sein, der eure Fesseln löst, die inneren und die äußeren, der euch neue Beheimatung schafft auch in der Fremde. Gott lasse Sie heute Freiheit und Freiräume erleben.
Jes. 54, 5
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