Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

09.06.07. 7.50 Uhr, Präses Nikolaus Schneider (Choralandacht)

"Bewahre uns Gott, behüte uns, Gott" (EG 171)

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, eine alte, menschliche Sehnsucht erklingt heute Morgen als neues Lied, das gleichsam ein gesungenes Gebet ist.

1987 dichtete der Pfarrer Eugen Eckert den Text, die Melodie stammt von Anders Ruuth:

Musik: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf unsern Wegen. Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen.

Autor: Ein „neues“ Lied mit einer „alten“ Erfahrung und Wahrheit: Ein von Gott geleitetes, ein von Gott gesegnetes Leben bewahrt uns nicht vor Wüstennot: es bewahrt uns nicht vor Leiden, nicht vor schweren Zeiten, nicht vor Begegnungen mit dem Bösen. Sondern Gott bewahrt uns in alledem. Genau darin liegt der Kern unseres Glaubens. So berichten auch die Zeugnisse unseres Glaubens: Gott bewahrte sein Volk Israel, als es 40 lange Jahre unter großen Verlusten durch die Wüste irrte. Gott bewahrte seinen Sohn Jesus Christus, als er dem Satan in der Wüste begegnete. Er bewahrte ihn auch mitten in seinen Todesängsten, mitten in seinem Leiden und qualvollen Sterben.

Gott ist auch bei uns in unserer Wüstennot, wenn wir uns verrannt haben, wenn unser Leben Richtung und Ziel zu verlieren droht, wenn wir einsam sind und unsere Gefühle vertrocknen, wenn wir hungern und dürsten nach Verständnis und nach Zuwendung. Auch darin bewahrt uns Gott.

Wenn wir an unserem Versagen und unserer Schuld verzweifeln, wenn wir angesichts von Unrecht und Gewalt in der Welt des Lebensmut verlieren. Auch darin bewahrt uns Gott.

Wenn Krankheit und Schmerzen uns das Vertrauen in das Leben rauben, wenn wir in den Ängsten um unser Leben und um das Leben der von uns geliebter Menschen unterzugehen drohen. Auch darin bewahrt uns Gott.
Auf allen Wegen umhüllt uns Gottes Segen.

Musik: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns in allem Leiden. Voll Wärme und Licht im Angesicht, sei nahe in schweren Zeiten.

Autor: Nicht einen paradiesischen Rosengarten hat Jesus seinen Nachfolgerinnen und Nachfolgern hier auf Erden versprochen. Und unser christlicher Glaube ist eben nicht „Opium des Volkes“. Er taucht  unser Leben nicht in  rosarotes Licht. Er verleitet uns nicht zu einer frömmelnden Weltflucht!

Die Bitte um Gottes Weggeleit, unser Vertrauen darauf, dass Gott uns bewahrt und uns mitten in unserer Alltagswelt segnet, all das schärft unseren Blick für das Leiden unserer Mitmenschen, für Beziehungen, die krank machen  und für ungerechte Zustände in unserer Gesellschaft.

Missbrauch und Misshandlungen von Menschen, Folter, Terror, Kriege und Gewalt lassen sich nicht klein reden, nicht wegdiskutieren und nicht „wegglauben“.

Aber die Schwere der Zeiten behält nicht das letzte Wort. Wärme und Licht im Angesicht von Menschen, die Gott uns schickt, verleihen uns Mut und Kraft, gegen die schlimmen Realitäten aufzustehen, ihnen zu widersprechen, gegen sie anzugehen.

Und wenn unsere Kraft nicht ausreicht, unsere Phantasie zu arm und unser Mut zu klein ist – seine Wärme und sein Licht bewahren uns davor, uns dem Unrecht zu unterwerfen, Folter zu rechtfertigen, Gewalt, Terror und Krieg zu akzeptieren. Gott nahe bei uns, das ist Segen und Bewahrung.

Musik: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns vor allem Bösen. Sei Hilfe, sei Kraft, die Frieden schafft, sei in uns, uns zu erlösen!

Autor: Immer wieder begegnen wir dem Bösen in uns, dem Bösen in unseren Mitmenschen, dem Bösen in unserer Welt! Dem Bösen zu begegnen ist eine unheimliche Erfahrung, die uns an die Grenzen unserer Kräfte und Fähigkeiten führt. Es begegnet uns in schaurigen und schönen Formen. Wir brauchen Hilfe und Kraft, das Böse zu erkennen, es zu benennen, ihm zu widerstehen!

Dem Bösen in uns selbst zu begegnen ist eine zutiefst verstörende Erfahrung. Wir werden uns dabei fremd. Reden und tun, was wir eigentlich nicht wollen. Wir erleben uns so, als wären wir in uns selber nicht zu Hause. Wir brauchen Hilfe und Kraft, uns aus den erstrickungen von Gier, Unrecht und Gewalt zu lösen.

Dem Bösen im Durcheinander von Feindschaft und Krieg zu begegnen ist eine Angst machende Erfahrung. Die Übermacht der erblendung, der Lüge und der Gewalt machen uns ratlos und mutlos. Verwirrt und handlungsunfähig erleben wir uns. Wir brauchen Hilfe und Kraft, immer wieder neu nach Wegen des Friedens zu suchen und sie zu gehen! Wir brauchen Erlösung!

Musik: Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns auf unseren Wegen. Sei Quelle und Brot in Wüstennot, sei um uns mit deinem Segen! 

Autor: Was immer Sie und ich an diesem Tag vorhaben, was immer uns am heutigen Tag erwartet: Es gibt für uns nichts Besseres und Heilsameres als diese Bitte an Gott – als die Bitte um Gottes Weggeleit für den heutigen Tag. So bewahre und behüte Sie  der lebendige Gott, liebe Hörerinnen und Hörer, am heutigen Tag und an allen Tagen Ihres Lebens!

Das war Kirche in WDR 3 mit dem Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Pfarrer Nikolaus Schneider aus Düsseldorf über den Choral “Bewahre uns Gott, behüte uns Gott“ (EG 171), nach einer Melodie von Anders Ruuth und dem Text von Eugen Eckert. Es sangen das Wilhelmshavener Vokalensemble unter der Leitung von Ralf Popken.

 

Audiobeitrag "Bewahre uns Gott, behüte uns, Gott" (EG 171)


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