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Gestärkt für den Alltag
Ein Leben ohne Feste ist wie eine Reise ohne Gasthaus hat der griechische Philosoph Demokrit vor zweieinhalb Tausend Jahren gesagt.
Wie ein einziges großes Gasthaus präsentiert sich in diesen Tagen die Stadt Köln für die Besucher des Evangelischen Kirchentages, wobei die Stadt nur den Rahmen bildet, das Fest ist der Kirchentag selber. Egal in welcher Stadt er zu Gast ist, das viertägige Fest des Glaubens ist alle zwei Jahre das TOP-Ereignis für viele Menschen aus Kirchengemeinden und kirchlichen Gruppen. Auch Menschen, die mit Glauben und Kirche kaum etwas zu tun haben, zieht der Kirchentag an. Über hunderttausend Dauerteilnehmer sind in Köln dabei.
Auf der Reise durchs Leben kommen wir ohne Feste nicht aus. Sie unterbrechen als Highlight den grauen Alltag. Ein Leben ohne Feste wie eine Reise ohne Gasthaus, meint der alte Philosoph. Auf Reisen musst Du unterwegs einkehren. Gute Speisen gehören dazu, Geselligkeit und fröhliche Gemeinschaft. Dann kanns weiter gehen. Feste dienen dazu, dass wir im Alltag von ihnen zehren können.
Das alles wusste auch Jesus. Nur, für Gasthäuser war kein Geld da. Also organisierte er selbst Feste mit kulinarischen Höhepunkten wie frisches Fladenbrot, Oliven und Wein. Meistens waren auch andere dabei. Jesus hatte sie eingeladen: Bettler, Arme, Kranke, Frauen und Kinder. Gute Speisen, Geselligkeit und fröhliche Gemeinschaft hatten sie besonders nötig. Und immer hat Jesus den Gästen auch von Gott erzählt, auf seine unvergleichliche Weise, und mit ihnen gebetet. So war die Einkehr immer auch ein kleines Fest des Glaubens.
Und dann, eines Tages, gönnt er seinen Freunden ein besonderes, ein großes Fest, ein Highlight im wahrsten Sinn des Wortes: Hoch oben auf einem Berg, den sie später den Berg der Verklärung nannten. Dort wird ihnen eine Gipfelerfahrung geschenkt, ein religiöses Erlebnis, das alles übersteigt, was sie bisher kannten. Jesus wird verklärt vor ihren Augen, sein Angesicht leuchtet wie die Sonne, seine Kleider weiß wie das Licht. Wie im Traum erscheinen ihnen Mose und Elia, zwei der wichtigsten Größen der Glaubensgeschichte Israels.
Das Erlebnis der Jünger auf dem Berg lässt sich nur schwer in Worte fassen, wie immer bei besonderen religiösen Erfahrungen: Ein ganz starkes Gefühl der Klarheit und der Gewissheit, ungetrübte Gewissheit der Nähe Gottes. Momente voll strahlender Helligkeit, das ganze Denken und Fühlen zum Überschäumen voll mit Freude an Gott. Kein Wunder, dass einer von ihnen sagt: Hier lass uns Hütten bauen. Hier auf dem Gipfel lass uns bleiben.
Wie gerne würde man solche Erfahrungen festhalten! Auch die auf dem Fest des Glaubens in Köln. Doch Jesus verweigert diesen Wunsch. Steht auf, sagt er zu den Jüngern, und verweist sie auf den Weg nach unten. Der wichtigste Gedanke auf dem Gipfel gilt dem Weg nach unten, sagen die Bergsteiger.
Der wichtigste Gedanke für die Besucher auf dem Kirchentagsfest lautet: Was nehme ich von den Highlight-Erfahrungen mit in mein Leben, in die Niederungen des Alltags?
Feste sind dazu da, dass wir im Alltag von ihnen zehren. Und dazu ist eben auch der Kirchentag da. Er läuft noch, bis morgen Mittag. Also, fahrn Sie einfach hin und stärken auch Sie sich für den Alltag!
Gestärkt für den Alltag
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