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Pfingsten
Liebe Gemeinde, Vor kurzem fragt mich ein Junge: Kriegt man eigentlich was geschenkt zu Pfingsten? Wie zu Weihnachten, zum Geburtstag, zu Ostern? Nein sage ich.
Pfingsten ist irgendwie anders. Pfingsten merkt man nicht so richtig im Straßenbild, Pfingsten lohnt sich auch nicht für den Einzelhandel. Die Schaufenster ändern sich nicht, wenn Pfingsten naht. Es gibt auch keine Hasen wie zu Ostern, keine Kerzen wie zu Weihnachten. Und, nein, keine Geschenke!
Aber: wir werden beschenkt mit dem Geist Gottes. Wir verdienen ihn uns nicht wir bekommen ihn. Jesus sagt vom Geist Gottes: Es kommt die Zeit, ja, sie ist schon da, wo die wahren Anbeter den Vater im Geist und in der Wahrheit anbeten werden, denn auch der Vater will Menschen haben, die ihn anbeten. Gott ist Geist, und die ihn anbeten, die müssen ihn im Geist und in der Wahrheit anbeten. Erinnern Sie sich noch: die Menschen waren alle tief gerührt, als Elton John zur Trauerfeier von Lady Diana Candle in the wind sang. Auch wer die Worte nicht alle verstand, der hat doch den Sinn und die Botschaft erahnt: unser Leben ist nur ein Hauch, eine Kerze im Wind, die plötzlich und schnell ausgeblasen ist vom Tod.
Wenn wir brennen, wie die Kerze, vor Liebe, vor Begeisterung, vor Zorn: dann fühlen wir uns richtig lebendig. Aber wir verbrennen auch wie die Kerze: wir atmen, nehmen mit jedem Zug das Leben auf, wie Adam, dem von Gott bei der Schöpfung der Atem eingeblasen wurde, und wir atmen das Leben wieder aus. Bei unserem letzten Atemzug.
Jesus sagt: Gott ist Geist, Atemhauch, Spirit. Und Gott sollen wir in diesem Geist und in der Wahrheit anbeten. Jesus sagt dies zur der Frau aus Samaria.
Im Geist und in der Wahrheit anbeten- das können wir, seit Gottes Geist bei uns Menschen ist. Seit dem ersten Pfingsten in Jerusalem. Gott gibt uns von seinem Geist ab, damit wir ihm begegnen können, ohne Angst behütet wie Moses bei seiner Gottesbegegnung : da hält Gott ja die Hand über ihn, als er Gottes Glanz vorüberziehen sieht, und stellt ihn in eine schützende Felsspalte. So sieht Mose Gottes Herrlichkeit und überlebt, dank Gottes Schutz.
Und genauso verspricht Jesus Gottes Geist, als schützenden Begleiter, der und leben lässt ohne Angst. In Gottes Nähe sein ohne Angst: das ist Anbetung. Wir haben Gottes Gegenwart nicht erarbeitet oder verdient und wir müssen uns nicht anstrengen, um in Gottes Nähe zu kommen. Wir kriegen seine Gegenwart geschenkt. Unser Leben ist voll und reich, wenn wir von seinem Geist erfüllt sind. Und wir spüren seinen Geist.
Spuren seines Geistes finden wir, wenn wir in besonderer Weise lebendig sind, wenn wir lieben, wenn wir uns richtig begeistern, wenn wir zornig werden über ein Unrecht, das zum Himmel schreit. Das alles sind Spuren, die uns helfen, aufmerksam zu sein für das sanfte Wehen des Geistes, das sich nicht aufdrängt. Sanft, unaufdringlich. Was sich allerdings aufdrängt in unserem Leben, das sind die Ziele und die Zwecke. Kinder z.B. soll es nicht aus Liebe geben, sondern zwecks Rentensicherung. Glück, Gesundheit, Familie, Geborgenheit- immer wieder tauchen diese starken Gefühle in der Werbung auf mit dem Zweck, dass wir einen Gegenstand kaufen oder einen Service in Anspruch nehmen.
Der Zweck der Schule und Bildung unserer Kinder ist, dass sie einen guten Ausbildungsplatz, eine bezahlte Arbeit finden. Der Zweck der Lebens soll Arbeit sein, oder Liebe oder wenigstens Gesundheit. Beim Geist Gottes ist es anders: der Geist dient niemandem, keinem Ziel, keinem Zweck. Der Geist ist heilig, so haben wir es im Glaubensbekenntnis gesagt. Heilig heißt genau das: der Geist dient niemandem, keinem Ziel, keinem Zweck. Heilig ist das, über das wir Menschen nicht bestimmen dürfen, weil es zu Gott gehört. Kein Mensch kann Gottes Geist einspannen für seine Ziele. Er weht, wo er will. Wir können ihn in unseren Kirchen und Gemeinden nicht zähmen, kein Pfarrer kann ihn austeilen oder vorenthalten. Keine schlimme Diktatur kann ihn eindämmen.
Er ist im Schwang, wie Luther das sagen kann. Er ist im Schwang, wenn wir Gott in Wahrheit anbeten. Und er ist im Schwang, wenn wir getröstet werden, von einem Menschen, von einem liebgewordenen Bibelwort, einem Gottesdienst, aus dem ich etwas mitnehmen kann im Herzen, und er schwingt, wenn mich eine Musik ergreift.
Sonaat f-moll,1 Satz, von Alfred Karindi. Der letzte Orgelakkord schwingt aus. Zuhören, mit dem Ohr und der Seele der verklingenden Musik in den hohen Kirchenraum folgen, nichts Anstrengendes tun und denken, kein Ziel verfolgen. Gerade so ist Anbetung. Anbeten das ist etwas anderes als Beten und Bitten. Wenn wir das Vaterunser sprechen, kommt vor der Bitte um unser tägliches Brot geheiligt werde Dein Name da beten wir an. In der Bitte tragen wir Gott einen Mangel vor, eine Sorge, eine Verzweiflung. Die Anbetung aber ist Staunen über den Überfluss, die Fülle, den Reichtum von Gottes Segen.
Die Samaritanerin will von Jesus wissen, wo Gott richtig angebetet wird, in dem Tempel der Samaritaner, auf dem Berg Garizim oder im jüdischen Tempel, in Jerusalem. Für damalige Zeiten war das ähnlich aufregend wie die Szene, als der Papst in der Hagia Sophia in Istanbul neben dem Iman stand die Hände wie zum Gebet zusammengelegt.
Da haben sich viele gefragt: kann ein Christ Gott in einer Moschee anbeten? Und wenn schon ein Ort der Anbetung vielleicht falsch ist, wie kann dann erst die Lüge die Anbetung falsch machen und zerstören: wenn Gott etwa zum Segen über Krieg angerufen wird. Anbeten kann nur, wer wahrhaftig ist.
Der Ort der Anbetung wie diese wunderschöne alte Erlöserkirche in Detmold kann uns helfen entscheidend aber ist, dass wir Gott in Wahrheit und erfüllt mit seinem Geist anbeten wo auch immer das geschieht. Mit diesem Pfingsttag werden wir daran erinnert: wir sind unverdient beschenkt worden aus dem Überfluss, dem Reichtum, der ganzen Fülle von Gottes Herrlichkeit haben wir seinen Geist geschenkt bekommen, der uns zur Anbetung fähig macht.
Wir dürfen heilige Ort wie unsere alten Kirchengebäude aufsuchen, wir suchen und finden bewegende Gottesdienste. Wir unterstützen uns gegenseitig durch unsere Gemeinschaft, wenn wir gemeinsam singen und beten. Wir können uns Atemholen und Ruhepausen wie solch einen zweiten Pfingsttag gönnen, damit wir abschalten können vom Alltag, damit wir uns sammeln zur Anbetung Gottes. All das ist gut, aber wir sind nicht auf diese Hilfen angewiesen. Gottes Geist weht, wo er will. Wir sind angewiesen auf seine Wahrheit und seinen Geist.
Gott selbst sorgt dafür, dass wir ihm so begegnen, dass wir aufleben in seiner Gegenwart und er sich an uns freuen kann. Er will Menschen haben, die ihn so anbeten. Und er sorgt dafür, dass wir getröstet aus der Nähe zu ihm herausgehen, behütet durch seine Hand. Behütet am Anfang des Lebens mit dem Zeichen der Taufe. Und behütet, wenn unsere Lebenskerze am Ende wie im Wind verlöscht. Weil Gottes Geist uns nicht bedrängt, weil er sanft ist, ist es gut, wenn wir hinspüren, aufmerksam für ihn sind. Wir können ihn hören im Bekenntnis anderer Menschen, wenn die Frau aus Samaria zu Jesus sagt: Ich sehe, dass Du ein Prophet bist und wir können ihn spüren, wenn wir selber Wort finden, die Jesus bezeugen.
Nach der Anbetung gehen wir wieder hinaus in unser Leben und sind wie verwandelt: Menschen voll mit seinem guten Geist. Wir beten: Herr, bleibe bei uns, gib uns ein Stück Deiner Herrlichkeit. Dein Sohn Jesus Christus hat uns Deinen Geist versprochen. Wir danken dir. Amen.
Der nächste Evangelische Hörfunkgottesdienst aus Nordrhein-Westfalen, wird am 01.07.2007 um 10 Uhr bis 11 Uhr vom WDR 5, aus dem Saal des Gemeindezentrums der Freien ev. Gemeinde in Witten übertragen. Die Predigt hält Pastor Martin Plücker.

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