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Wenn es Pfingsten nicht schon gäbe, müsste es erfunden werden
Wenn es Pfingsten nicht schon gäbe, müsste es erfunden werden: Ein internationales Fest der Völkerverständigung und des Friedens.
Ein begeisterndes Fest der Kleinen Leute und der unentdeckten Möglichkeiten. Ein Fest gegen die Angst und alle Provinzialität. Das Fest eines neuen Geistes unter uns. Die wunderliche Geschichte von Pfingsten erzählt, wie die Kraft Gottes bei ganz einfachen Leuten landet. Bei Menschen, die keine Hoffnung und keine Träume mehr hatten.
Damals ging es um die Sympathisanten dieses aufmüpfigen Zimmermanns aus Nazareth. Die Politik, die Justiz, die Wirtschaft und der Klerus hatten Jesus in einer konzertierten Aktion kaltgestellt: Verhaftung in einer Nacht- und Nebelaktion, Verurteilung zum Tode in einem Schnellverfahren, Folter. Hinrichtung. Ende.
Jedenfalls glaubten das alle. Und die Mächtigen glaubten das auch. Einzige Unsicherheit: Was war mit seinen Anhängern? In der Regel reicht es, den Kopf einer Bewegung zu erledigen, um die Bewegung zu zerschlagen. Die Freunde Jesu aber waren bereits bei seiner Hinrichtung verschwunden. Die Angst saß ihnen im Nacken. Jahre lang hatten sie geglaubt, dass alles gut würde; dass ihr Freund Jesus mit den Mächtigen und ihrer Ungerechtigkeit aufräumen würde, und dass sie selbst dabei groß raus kämen. Und jetzt?
Die Mächtigen hatten ihn fertiggemacht, und sie mussten sich vor der Polizei verstecken.
Und auf einmal passiert etwas. Plötzlich kommt Stimmung auf. Ein Sturm. Kein Kyrill. Nichts Zerstörerisches. Ein Sturm der Begeisterung. Und Leute, die völlig fertig waren, entdecken bei sich Möglichkeiten, von denen sie vorher keine Ahnung hatten. Und die Angst war weg. Sie kamen heraus zuerst aus sich selbst, dann aus ihren Verstecken. Sie fingen an zu erzählen von ihren Erfahrungen und ihren Visionen. Ganz offen gingen sie auf Menschen zu: Keine Parolen, keine Zweideutigkeiten, keine Angstmache. Die einfachen Leute redeten ganz einfach. Sie redeten in einem Geist, in einer Sprache, die jeder Mensch versteht, ja, nach der sich vielleicht jeder von uns sehnt. So eine Art Muttersprache: Eine Sprache, die Leben ermöglicht; die nicht oberflächlich ist, sondern unter die Haut geht. Ich meine: Worte, die klären und nicht verklären, Worte, die trösten und nicht vertrösten, die vergeben und nicht verurteilen, Worte, die befreien und nicht zerstören.
Damals öffneten sich einige Menschen so, als hätten sie lange auf so einen Moment gewartet. Der Funke der Begeisterung sprang auf sie über. Andere verpassten den Moment. Sie fingen an zu lachen: Die sind ja besoffen!, sagten sie. Das so was frei rumläuft!
Vielleicht wünschen Sie sich das auch manchmal, dass sich ein neuer Geist einmischt und alles verändert. Einer, der die Angst nimmt; einer, der Hoffnung macht wo alles am Ende zu sein scheint. Es gibt sie bis heute, diese Augenblicke, wo Menschen sich plötzlich verstehen und sich alles ändert. Wie gesagt: Wenn es Pfingsten nicht schon gäbe, müsste es erfunden werden.
Wenn es Pfingsten nicht schon gäbe, müsste es erfunden werden
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