Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

17.05.07, 7.45 Uhr, Pastorin Ruthild Busch

Dr. Müller Abendroth - Friede seiner Asche

Es regnet. Mittlerweile ist es dunkel geworden und sie steht auf dem Gehweg und wartet auf das nächste Taxi. Sie ist traurig. Früher, da wäre er mit seinem BMW vorgefahren,

hätte die Tür geöffnet und sie wäre zu ihm ins Auto gestiegen. Sie hätten sich geküsst und er hätte gesagt: „Schatz, du siehst heute wieder wunderbar aus“. Er – das war Dr. Müller-Abendroth. Angesehener Chefarzt für Gefäßchirurgie. Als sie heirateten nahm er ihren Nachnamen an. Aus Dr. Müller wurde Dr. Müller-Abendroth. Sie war jetzt ein Teil von ihm – unendlich viel wert. Eine Frau von Welt. Sie kämpft gegen die Tränen an. Jetzt war alles vorbei. Er hatte sie verlassen – wegen einer Jüngeren.

Musik: Song „Dust in the wind“ von den Scorpions LC 08259

Das Taxi hält und sie rutscht auf die Rückbank. Im Hintergrund läuft Musik. „Akazienallee 1“, sagt sie leise und merkt, wie ihr die Tränen über das Gesicht rollen. Ist das nicht die Adresse von dem Doktor? Dem Chirurgen!!! Wie heißt der noch gleich? fragt der Taxifahrer. „Dr. Müller-Abendroth“.

Hula, das ist doch ein dicker Fisch Und jetzt tummelt er sich in anderen Gewässern? Ist wohl durchgebrannt mit einer Jüngeren? Hm? Es ist immer dasselbe“. Der Typ geht mir auf die Nerven, denkt sie. Warum musste ich ausgerechnet in dieses Taxi steigen. Er dreht die Musik einen Tick lauter.

Musik: „Dust in the wind“, sagt er – „Asche, Staub, Nichts sind wir. Lady, Warum lassen Sie sich von so einem Aschehaufen das Leben kaputtmachen? Über Ihrem  Dr. Müller-Abendroth klappt irgendwann der Sargdeckel zu. Und dann? Ist doch völlig belanglos, was der treibt? Wenn er mit einer Anderen ein bisschen Spaß hat. Es gibt Schlimmeres. Sie blickt ihn erstaunt an.

„Wissen Sie  was“, sagt er, „ich hatte als Kind eine Tante. Tante Margareta hieß die. Die wusste, worauf es im Leben ankam. Zugegeben die Tante war ein bisschen abgedreht –Ging irgendwann als Missionarin nach Indien. Mein Vater konnte die nicht ab. Eines Tages kam sie zu Besuch. Es gab Kalbsbraten – plötzlich entdeckte  mein Vater den Ehering an ihrem  Finger. Ich wusste, was er denkt:  Endlich  hat die Tante Vernunft angenommen. „Wer ist denn der Glückliche?“, fragte er in die Runde. „Jesus, ich bin eine stolze Braut Christi“! Er starrte sie fassungslos an.

Ich habe Tante Margareta bewundert. Die hat sich von keinem reinreden lassen – demütigen oder fertig machen lassen. Die war völlig unabhängig von der Meinung anderer, weil eben dieser Jesus in ihrem Leben das Sagen hatte. „Dust in the wind“, warum sich das Leben kaputt machen lassen von jemandem, der sich am Ende in Luft auflöst? Lieber auf den setzen, der wie Phönix aus der Asche stieg – der tot war und wieder lebendig wurde, zum Himmel auffuhr und auch weiterhin das Sagen hat – ich meine Jesus Christus“. Das Taxi bremst. „Akazienallee. Macht  15,50. Das Beratungsgespräch war kostenlos“. „Danke“, sagt sie und zahlt. Sie öffnet die Tür, steigt aus. Dann dreht sie sich um, beugt sich nochmals in das Taxi und sagt: „Apropos Dr. Müller-Abendroth – Friede seiner Asche“. Es hat aufgehört zu regnen.

 

Audiobeitrag Dr. Müller Abendroth - Friede seiner Asche


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