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Ich schäme mich nicht!
Vor 25 Jahren bin ich konfirmiert worden. Gerne würde ich mich an einen Konfirmationsgottesdienst erinnern,
bei dem die Freude und der Stolz über dieses große Ereignis in meinem Leben im Vordergrund gestanden hätten.
Tue ich aber nicht! Ich erinnere mich an einen Tag voller Angst und Not und an ein starkes Schamgefühl! Scham über die Bluse, den blauen Rock mit Blümchen mit passender Weste und den von meiner Mutter selbst gestrickten Wollumhang. Dazu die zurückgebundenen, adretten Haare. Meine Kleidung war sicher angemessen für diesen Tag, und ich war wohl auch nett anzusehen, aber ich habe mich so geschämt. Weil es doch nicht meine Kleidung war. Weil ich doch sonst in Jeans und Pullover herumgelaufen bin und natürlich mit offenen wilden Locken. Was sollten bloß die aus meiner Klasse denken, besonders natürlich die Jungs - wenn sie mich so in der Kirche sehen?
Dann die Scham darüber, dass wir Konfirmanden mit unseren dünnen, aufgeregten Stimmchen ein Lied alleine vorsingen mussten. Im Erdboden hätte ich versinken mögen. Und diese ganze Unsicherheit, die Angst, etwas falsch zu machen beim ersten Abendmahl und alle sehen zu!
Und dann auch noch die Enttäuschung über meinen Konfirmationsspruch. Aus meiner Sicht hatten alle anderen so schöne Sprüche bekommen. Zusagen, dass Gott bei ihnen ist, dass sie keine Angst haben müssen, dass die Engel sie behüten mögen. So etwas hätte ich auch gerne für mich gehört. Stattdessen bekam ich einen schwierigen und anspruchsvollen Vers aus dem Römerbrief, den ich damals nicht verstanden habe. Er heißt: Ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben.
Heute denke ich passender hätte mein Konfirmationsspruch nicht sein können. Ich schäme mich nicht des Evangeliums. Klar. Des Evangeliums, der Frohen Botschaft, schäme ich mich nicht. Wenn, dann doch nur für mich selber. Für meine Fehler, meine Unzulänglichkeiten, mein Versagen. Ach, wenn ich es vor 25 Jahren schon richtig hätte hören können: Mein Konfirmationsspruch beschreibt doch, dass es die Kraft Gottes ist, die uns glücklich macht und frei. Nur weil wir darauf vertrauen und nicht, weil wir irgendwie sein oder irgendetwas leisten müssten. Wenn ich daran glaube und das tue ich, dann gibt es keinen Grund mehr, mich zu schämen. Denn dann ist mein Ungenügen bei Gott in guten Händen, und ich muss nicht schamrot vor ihm stehen.
Das ist eine wirklich gute Nachricht: Du musst Dich nicht mehr schämen. Für nichts! Mit all Deinen Unzulänglichkeiten stehst Du vor Gott, der dich wohlwollend anblickt. Der Dir Kraft gibt!
Ob der Pfarrer, der mich konfirmiert hat, gesehen hat, wie sehr Schamgefühle zu meinem jugendlichen Leben gehört haben? Und wie oft ich als Kind beschämt worden bin? Jedenfalls danke ich ihm heute sehr für diese Worte, die er mir vor 25 Jahren mit auf meinen Lebensweg geben hat. Ich schäme mich des Evangeliums nicht, denn es ist eine Kraft Gottes, die selig macht alle, die daran glauben.
Ich schäme mich nicht!
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