Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

24.05.07, 7.50 Uhr, Pfarrerin Claudia Kiehn

Aufrechte und geliebte Menschen

Manchmal kann man nicht nur aus dem Leben, sondern auch von Comicfiguren etwas lernen. Zum Beispiel von Charlie Brown. Das ist der sympathische Unglücksrabe der Peanuts.

Neben dem berühmten Hund Snoopy ist er eine der Hauptfiguren einer Comicserie von Charles Schulz.

Eigentlich kenne ich nur diesen einen Cartoonstreifen seiner Kurzgeschichten wirklich gut: Charlie Brown steht dort mit tief gesenktem Kopf und sagt zu dem Mädchen, das hinter ihm steht: „Das ist meine depressive Haltung!“ Auf dem nächsten Bild sieht er das Mädchen an und doziert: „Wenn du Depressionen hast, spielt es eine große Rolle, wie du dastehst…“ Dann richtet er sich zu seiner ganzen Größe auf, steht erhobenen Hauptes und sagt: „Das schlimmste, was du tun kannst, ist dich aufzurichten und den Kopf oben zu halten, weil´s dir dann gleich besser geht...“ Stimmt! Sprach´s, nimmt den Kopf wieder nach unten, lässt die Schultern hängen und erklärt noch einmal: „Wenn dir das Schlechtgehen wenigstens ein bisschen Freude machen soll, dann musst du dich unbedingt so hinstellen“.

Ach, Charlie Brown, als wären wir bewusst darauf aus, traurig zu sein und als würde uns das auch noch Freude machen! In der Regel setzen wir unseren Körper nicht bewusst dazu ein, damit es uns bloß schlecht gehen soll. Als würden wir uns verabreden: Komm wir treffen uns mal wieder und üben, depressiv zu stehen. So ein Quatsch!

Aber womit er sicher Recht hat: Unser Körper zeigt, was wir fühlen! Wir nehmen es meist an den anderen Menschen wahr, ohne, dass wir darüber nachdenken müssten: Wer mit hochgezogenen Schultern dasteht, hat Angst. Wer die Fäuste ballt, dem sollten wir in seiner Wut womöglich nicht zu nahe treten. Und wer mit hängenden Schultern und mit gesenktem Kopf da steht, von dem ahnen wir, dass er traurig ist und eine Last mit sich herumträgt.

Was wir bei den anderen unwillkürlich bemerken, bleibt uns allerdings selbst oft verborgen. Wir stecken ja selber drin in unserem Körper. Er ist uns so vertraut und wenn wir nicht gerade Schmerzen haben, nehmen wir oft gar nicht wahr, mit welcher Körperhaltung wir stehen.

Aber was wir fühlen, findet Ausdruck über unseren Körper. Geht es mir gut, strafft sich mein Rücken und erhobenen Hauptes blicke ich geradeaus in die Welt. So bin ich von Gott gedacht – aufgerichtet, trotz allem, was mich bedrückt. Trotz des Leids, das ich in dieser Welt erdulden muss. So heißt es in einem Brief, den der Apostel Petrus an Christen in Kleinasien geschrieben hat: Der Gott aller Gnade aber, der euch berufen hat zu seiner ewigen Herrlichkeit in Christus Jesus, der wird euch, die ihr eine kleine Zeit leidet, aufrichten, stärken, kräftigen, gründen. (1. Petr. 5,10)

Charlie Brown will davon sicher gar nichts wissen. Ich aber will mich von der Zusage Gottes aufrichten lassen – will meinen Kopf hochnehmen, meine Schulter nach hinten ziehen und mich fest auf meine Füße stellen. Gestärkt von der Liebe Gottes!

 

Audiobeitrag Aufrechte und geliebte Menschen


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