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Die kleinen Gesten
Ein ganz normaler Arbeitstag, früh am morgen, lange bevor der Wecker klingelt: Ein langsam lauter werdendes Genölle erfüllt die Wohnung.
Ich wälze mich im Bett solange bis das Genölle zu einem herzerweichenden Geschrei wird. Der Tag fängt ja mal wieder gut an. Noch bevor ich Morgenmuffel reagieren kann, ist meine Frau schon im Kinderzimmer. Doch noch eine Chance fünf Minuten länger zu schlafen? Nein, jetzt ruft auch noch unsere ältere Tochter: Papa!. Ich quäle mich aus dem Bett Wozu stelle ich eigentlich noch diesen verdammten Wecker? Ich stehe auf und will Tabea anziehen, doch sie macht einen Aufstand: Sie will unbedingt die rote Hose anziehen, doch ausgerechnet die ist in der Wäsche . Sie heult, schreit und schlägt um sich. . Meine Frau und ich sind müde und gereizt: Hilf mir doch mal! - Ja Ja! Ich bin doch schon dabei!
In unserem Traum von einer guten Ehe waren solche Tage irgendwie nicht wirklich eingeplant. ... in guten wie in schlechten Zeiten ... - die schlechten Zeiten auch das ist manchmal Alltag Wer von uns hätte das gedacht?
Ich dusche und frühstücke. Plötzlich ist es schon halb Acht. In einer Halben Stunde habe ich bereits den ersten Termin: eine gemeinsame Morgenandacht mit Kollegen.
Andächtig ist mir überhaupt nicht zu Mute. Wo sind nur meine Ideale hin? Den Tag mit Gott beginnen schön wär's! Wenn schon keine Zeit mehr ist in der Bibel zu lesen, dann sollte doch wenigstens ein kurzes Gebet noch drin sein. Na ja, ein paar Minuten habe ich ja noch. Ich setze mich hin, aber meine Gedanken schweifen sofort ab: Ich war mal wieder ziemlich pampig heute morgen unausstehlich. Ich hasse es, wenn ich so bin.
Wie schön ist es doch, wenn der Tag etwas langsamer anfängt als heute. Meine Frau muss jetzt hier bleiben und kann sich nicht in ihre Arbeit flüchten. Was liegt eigentlich heute noch alles an? - Ob ich das alles schaffe? Ich blicke auf die Uhr. Eigentlich sollte ich schon längst weg sein. Ich springe auf, schnapp' mir meine Aktentasche und denke noch: Eigentlich wollte ich doch beten. Das war mal wieder nichts. Und das mir! Wenn schon ich, dessen Beruf es ist, zu beten, nicht die Zeit dafür finde ... Ich seufze. Da fällt mir ein Satz aus der Bibel ein:
Denn wir wissen nicht, was wir beten sollen, wie es sich gebührt; aber Gottes Geist selbst vertritt uns mit unaussprechlichem Seufzen. (Röm 8,26)
Noch ein Seufzer, schon etwas leichter. Amen! Vielleicht war das schon Gebet genug für heute. Gott selber springt für mich ein, Gott selber schenkt mir ein kleines Gebet, das von Herzen kommt: Einen Seufzer! Es müssen nicht immer die großen Gesten sein. Die kleinen sind oft mehr wert. Das gilt nicht nur in einer guten Partnerschaft, sondern auch in der Beziehung mit Gott auch und gerade in den schlechten Zeiten. Ich verabschiede mich noch von Frau und Kindern. Langsam sieht der Tag schon ein wenig freundlicher aus. Natürlich bin ich ein paar Minuten zu spät. Aber darüber verliert keiner ein Wort. Gott sei Dank!
Die kleinen Gesten
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