Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

25.05.07, 5.56 Uhr, Vikar Michael Coors

Hauptsache sicher?

Können sie das Wort „Sicherheit“ auch nicht mehr hören? Natürlich, jeder will sicher sein. Sicher, dass er nicht überfallen wird, sicher, dass er nicht ausgeraubt wird,

sicher, dass er kein ein Terroropfer wird. Hauptsache sicher! Da bleibt dann schon mal die Freiheit auf der Strecke. Die Vorschläge, die zur Zeit diskutiert werden, sind vielleicht wirklich nicht so dramatisch. Aber es gibt auch Menschen, die sicher sein wollen, dass ihre Daten nicht zentral gesammelt werden. Sie wollen sicher sein, dass sie nicht mal eben auf bloßen Verdacht hin beobachtet und ausgehorcht werden.

Was mich beunruhigt, sind nicht so sehr die einzelnen Maßnahmen, die geplant werden. Beunruhigt bin ich von der Vision „absoluter Sicherheit“, die in den Reden unserer Politiker durchscheint. Na klar, auch ich will Sicherheit - aber nicht um jeden Preis. Denn als Christ glaube ich, dass es absolute Sicherheit nicht geben kann. Und wenn Menschen behaupten, es gäbe Schritte, die zu ihr führen, dann beunruhigt mich das.

Ich glaube, dass nur einer alles sieht. Einer, der bis ins Herz schaut: Gott. Und ein Staat, der absolute Sicherheit garantieren will, masst sich göttliche Gewalt an. Ja, schon allein der Wunsch alles wissen, alles sehen, alles hören zu wollen, ist ein Wunsch nach göttlicher Allmacht.

Der politische Philosoph und Staatstheoretiker Thomas Hobbes sah den Staat als „sterblichen Gott“. Seine Vision vom Staat gründete allein in der Sehnsucht nach Sicherheit. Wer sich den Staat so denkt, der schafft am Ende ein Ungeheuer. Der Wunsch aber wie Gott sein zu wollen, ist der eigentliche Sündenfall des Menschen – so heißt es in einer alten Auslegung der biblischen Geschichte vom verlorenen Paradies.

Der Wunsch nach absoluter Sicherheit war auf jeden Fall die Geburtsstunde vieler Diktaturen. Wenn wir nicht unsere von Gott geschenkte Freiheit aufgeben wollen, dann werden wir mit Unsicherheiten, dann werden wir mit Risiken leben müssen. Unsere Demokratie lebt davon, dass sie sich diese Unsicherheit eingesteht und sie aushält. Sie lebt davon, dass sie zwischen Gott und sich selbst unterscheidet. Wenigstens in diesem Sinne ist der Gottesbezug in unserem Grundgesetz sinnvoll. Denn er erinnert uns an die Grenze unserer Möglichkeiten. Er erinnert uns an die Gefahr, die droht, wenn wir diese Grenze überschreiten und Schritt für Schritt vergessen, dass der Staat nun einmal lediglich die Selbstorganisation von Menschen ist und eben kein sterblicher Gott.

Ein Staat, der anfängt immer mehr personenbezogene Daten seiner Bürger zu sammeln, steht in Gefahr, diese Grenze zu verwischen. Unsere Aufgabe als Christen ist hier laut und deutlich Einspruch zu erheben.

Audiobeitrag Hauptsache sicher?


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