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Tierfreund
Guten Morgen liebe Hörerinnen und Hörer! Ich wollte niemals ein Haustier haben. Aber eine Bekannte hatte eine kleine Katze in Pflege genommen und gesagt:
Schau sie dir doch einfach mal an. Ich war ziemlich erschrocken, als ich das erbärmliche Tier sah: Trotz der guten Pflege meiner Bekannten hatte sich das arme Geschöpf noch nicht von der Vernachlässigung, die es erfahren hatte, erholt. Die Katze war abgemagert bis auf die Knochen. Dieses verhungerte Tier kommt gewiss nicht infrage, dachte ich. Bis ich mich hinkniete - das Kätzchen gleich auf meinen Schoß sprang und sich an mich schmiegte. Im selben Augenblick schwanden alle Widerstände und Bedenken. Ich brauche wohl kaum noch zu erzählen, dass ich das Tier wenig später nach Hause trug. Seitdem erfahre ich täglich, was einem ein Haustier bedeuten kann. Verstehe, wie ein Mensch an einem Tier hängt. Und dass er eines Tages auch darum trauert. Ich glaube, sagte Martin Luther, dass auch die Hündlein in den Himmel kommen, und dass jede Kreatur eine Seele habe. Womit eine der vielleicht am häufigsten gestellten Kinderfragen beantwortet wäre. Ich glaube, dass auch die Hündlein in den Himmel kommen, und dass jede Kreatur eine Seele habe. Vom Ursprung her hat Gott Mensch und Säugetier an einem Tag erschaffen umso mehr verwundert es, wie der Mensch diese Verwandtschaft immer wieder zu verleugnen versteht. Ausgesetzte Tiere, die Höllenfahrten subventionierter Schlachtviehtransporte und himmelschreiende Methoden nicht artgerechter Tierhaltung sprechen da ihre ganz eigene Sprache.
Das Christentum hat an dieser Missachtung tierischer Würde nicht unerheblichen Anteil. Die Sicht des Menschen als Krone der Schöpfung verbunden mit dem biblischen Auftrag Macht euch die Erde untertan wurde lange Jahre als Freibrief missverstanden, die Natur auszubeuten und die Tiere als Biomasse zu gebrauchen. Erst neuere Theologie hat die Tiere als Mitgeschöpfe zu achten gelehrt. Dabei hat schon der Heilige Franziskus den Vögeln gepredigt und Albert Schweizer, der Urwaldarzt und Friedensnobelpreisträger, seinen Zeitgenossen die Ehre der Tiere ans Herz gelegt. Es ist auch ein Geschenk, wie die Tiere uns zu leben helfen: Wie sie uns zuhören, zum Durchhalten raten, unseren Einsamkeiten entreißen, wie manchem zur Gesundheit verhelfen. Nicht zu reden von der Zuneigung und Liebe, von der Zärtlichkeit und Treue, die sie uns schenken.
Der Dichter Christian Morgenstern hat Recht, wenn er sagt: Ganze Weltalter voll Liebe werden notwendig sein, um den Tieren ihre Dienste und Verdienste an uns Menschen zu vergelten. Unser Kater hat mir darüber hinaus ein Lehrstück im Glauben nahe gebracht. Obwohl ich ihn ja zuerst nicht haben wollte, hat er mich durch seine Liebe, die er mir entgegenbrachte, einfach besiegt. Wie heißt es doch im Evangelium: Nicht Ihr habt mich erwählt, sondern ich habe euch erwählt. Das bezieht sich natürlich auf Gott. Aber manchmal kann man das eben auch an einer Katze erleben, wie Gott ist.
Tierfreund
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