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"etwas"
Guten Morgen liebe Hörerinnen und Hörer! Er war einer der größten und berühmtesten Männer im alten Israel. Und dennoch erreichte er sein Lebensziel nicht.
Jahrzehnte zog er mit seinem Volk durch die Wüste. Immer das Bild vom gelobten Land vor Augen wo Milch und Honig fließt. Das war sein Ziel. Darauf lebte er hin. Doch er kommt nie dort an. Wohl ist ihm noch ein kurzer Blick auf das Ziel seiner Träume vergönnt, gleich darauf aber stirbt er, ohne das Land je betreten zu haben. Die Geschichte dieses Mannes, Moses heißt er übrigens, ist eine Geschichte für alle, die sich schwer tun mit dem, was sie in ihrem Leben nicht erreicht haben. Die den verpassten Möglichkeiten und Chancen nachtrauern und vielleicht sogar mit dem Leben hadern. Eigentlich wolltest du doch studieren, aber dann kamen die Kinder; eigentlich wolltest du doch den Karrieresprung schaffen, aber dann wurde der Kollege vorgezogen; eigentlich wolltest du doch im Ruhestand noch so viele Reisen unternehmen, aber dann kamen die gesundheitlichen Rückschläge. Der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber hat einmal gesagt: Jeder ist berufen, etwas im Leben zur Vollendung zu bringen. Diese Erkenntnis ist groß genug für anspruchsvolle, leistungsbereite Menschen, die sich im Leben einiges vorgenommen haben.
Zugleich macht sich dieses Wort klein für alle, die an sich zweifeln, weil sie mit ihren Ansprüchen, Plänen und Vorhaben nicht zurande gekommen sind. Die so manches Ziel und manchen Traum vom Leben begraben mussten. Jeder ist berufen, etwas im Leben zur Vollendung zu bringen. Dieses Etwas tut mir gut. Etwas nur zu vollenden vielleicht etwas ganz Unscheinbares, Winziges, Geringes bloß zu tun. Und dann doch zu erfahren, wie viel Sinn und Erfüllung dieses Winzige in mein Leben hineinstrahlt. Ein Brief vielleicht, der immer schon geschrieben sein wollte, oder ein Dank, der endlich in die Tat umgesetzt werden will. Das Suchen und Finden eines passenden Geschenkes oder das Wiedersehen mit einer alten Freundin. Und wenn es so lebenslange Tätigkeiten sind wie das Sehen, das Hören, das Riechen und Schmecken, in das ich mich immer wieder einübe einmal etwas davon mit Hingabe und einer gewissen Vollkommenheit zu tun. Beruhigend und ermutigend bleibt dieses Etwas - immer wieder etwas zur Vollendung zu bringen. Also nicht das ganze Leben, nicht die großen Ziele, nicht alle Stufen, nicht alle Anforderungen des Tages, sondern hier und da etwas Kleines oder auch Großes, aber wer von uns hätte dafür überhaupt den Maßstab?
Moses hat das Gelobte Land nie betreten. Kam nie ans Ziel dessen, wofür er jahrelang gelebt hat. Konnte die Früchte seines Lebens nicht ernten. War deswegen alles umsonst? Im Gegenteil. Gott hat es so gewollt, heißt es in der Bibel und das bedeutet doch: Es hatte, so wie es war, seinen Sinn. Das Unvollkommene, Unvollendete gehört zum Leben dazu. Entscheidend ist nur, wie wir damit leben. Dass wir also statt den verpassten Möglichkeiten und gescheiterten Plänen nachzutrauern, uns immer wieder die Augen öffnen lassen für dieses Etwas, dass wir vollenden dürfen - heute und vielleicht auch morgen noch.
"etwas"
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