Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.05.07, 8.56 Uhr, Pfarrer Jens Burgschweiger

Verliebt, verlobt, verheiratet!

Guten Morgen liebe Hörerinnen und Hörer! Ich bin ein unverbesserlicher Romantiker. Und darum freue ich mich und bin immer ganz gerührt,

wenn ein Brautpaar im geschmückten Auto oder in einer Kutsche mir entgegenkommt. Fröhliches Hupen begleitet den Korso, lachende Gesichter, winkende Kinder – wer ließe sich nicht anstecken von diesem Glück?! Himmel und Erde küssen sich, wenn zwei beschließen, künftig eins zu sein. Kriege hat man um Ehen geführt und vor allem mit ihnen beendet. Vermählung heißt es ja nicht umsonst – weil mit einem Festmahl und dem Ehebund der Streit zwischen Sippen und Völkern beigelegt wurde. Aber auch heute, in Zeiten von Liebesheirat und einem Verständnis von Ehe als privatem Glück, verdient die Ehe unbedingte Anerkennung und Schutz. Sind Ehe und Familie doch die Keimzelle unserer Gesellschaft.

Zuweilen, wenn ich ein Brautpaar sehe, ertappe ich mich bei dem Gedanken, mir vorzustellen, wie sich die zwei wohl kennen gelernt haben. Wo sind sie sich zum ersten Mal begegnet? Beim Tanzen vielleicht oder am Strand? Bei Freunden? Oder war es die berühmte Sandkastenliebe, die von anderen Kindern mit ihrem Singsang bespöttelt wurde: „Verliebt – verlobt - verheiratet.“  Wie auch immer – irgendwann haben beide gemerkt: Das ist es. Da ist Platz im Herzen des anderen, Platz für mich und meine Welt. „Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen Entfaltungen“, so hat es der Dichter Max Frisch einmal beschrieben. Ja, ich bin ein unverbesserlicher Romantiker. Und darum fasziniert es mich immer wieder, wie zwei Liebende sich finden oder einander entdecken als füreinander bestimmt.

Ob Plato doch recht hat mit seinem Kugelmenschen – dass in der Welt immer zwei Hälften herumlaufen, die zueinander passen. Ich möchte es gerne glauben! Die Bibel weiß ja auch von diesem Geheimnis der Zusammengehörigkeit: „Das ist ja Fleisch von meinem Fleisch“ ruft Adam angesichts von Eva, und „die zwei werden ein Fleisch.“ Aber was ist mit den gescheiterten Ehen? Mit denen, die das große Ziel nicht erreichten: „...bis dass der Tod euch scheidet“? Waren die nicht füreinander bestimmt? Ehrlich gesagt: Ich weiß es nicht. Vielleicht kann man die Liebe doch nicht erklären oder in ein gedankliches System zwängen. Vielleicht muss man die Liebe einfach leben. Sicher, es spricht vieles dagegen, dass die Liebe ein Leben lang hält. Aber eins spricht dafür - Erich Fried hat das einmal ganz unnachahmlich in Worte gefasst:

„Es ist Unsinn/ sagt die Vernunft/
Es ist was es ist/ sagt die Liebe/
Es ist Unglück/ sagt die Berechnung/
Es ist nichts als Schmerz/ sagt die Angst/
Es ist aussichtslos/ sagt die Einsicht/
Es ist was es ist/ sagt die Liebe/
Es ist lächerlich/ sagt der Stolz/
Es ist leichtsinnig/ sagt die Vorsicht/
Es ist unmöglich/ sagt die Erfahrung/
Es ist was es ist/ sagt die Liebe“.

Audiobeitrag Verliebt, verlobt, verheiratet!


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