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Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren (EG 316)
Sie feiern einen runden Geburtstag? Sie planen Ihre Hochzeit? Sie haben bald ein Jubiläum? Und wünschen sich zu dieser Feier auch einen festlichen Gottesdienst?
Was soll denn in der Kirche gesungen werden? Keine Frage: Musikeinblendung
Ein Schlager unter den Kirchenliedern, ökumenisch verbreitet, in über 3o Sprachen übersetzt. Viele Christinnen und Christen begleitet dieses Lied ihr Leben lang, auch meines.
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Mutters Geburtstag. Um 7.00 Uhr morgens dringen Bläserklänge aus dem Vorgarten an unser Ohr. Noch vor Dienstbeginn kommt ein Quartett des Posaunenchores zum Ständchenblasen. Nicht nur Psalter und Harfe, auch Trompeten und Posaunen lassen diesen Lobgesang hören.
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Im Kinderchor haben wir trainiert, die erste Melodiezeile auf einen Atem zu singen, ohne zwischen-durch Luft zu holen. Das ist gar nicht so einfach. Die Melodie legt sich nach dem Fanfarenmotiv am Anfang in eine tiefe lange Kurve. Da muss man ohne Japsen erst mal ankommen. Und dann gleich wieder hoch hinauf bei Kommet zuhauf! Mit dem Text konnten wir nicht viel anfangen. Zu fremd waren uns in den 60er Jahren die Bilder des mächtigen Königs wir wuchsen in einer jungen Demokratie auf. Herrlich, also: herrschaftlich regiert werden wollten wir nun gerade nicht mehr. Wir sind eher über Adelers Fittiche gestolpert, die im Chor immer zu Sittichen wurden.
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Mit dem wachsenden politischen Bewusstsein wuchs der Protest gegen die verzopften kirchlichen Traditionen. Mit barocken Prachtgesängen waren wir nicht mehr zu ködern. Beim Kirchentag Ende der 70er Jahre ging es bei einer Podiumsdiskussion hoch her, die Stimmung in der Halle kochte über. Schnell bekam der Posaunenchor die Order, mit Lobe den Herren für Ruhe und Ordnung zu sorgen.
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Damit war dieses Lied lange Zeit für mich gestorben. Mit dem Kirchenmusik-Studium begann die kritische Auseinandersetzung mit den überlieferten Formen und Inhalten. Transportiert dieses Lied nicht ein völlig veraltetes Gottesbild: Allmächtiger, Herr, Herrscher? Kann man denn heutzutage diese Lieder von Anno Tuck überhaupt noch singen ? Wenn ich weitersinge, finde ich aber auch ganz andere Bilder: Wie eine Glucke breitet Gott ihre Flügel aus, unter die ich wie ein Küken schlüpfen kann. Dort finde ich Geborgenheit und Trost.
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Ende der 80er Jahre, kurz vor der Wende, wurde mein Chor zur Kircheneinweihung in die Partnergemeinde in der DDR eingeladen. Mit schier unerschöpflicher Tatkraft hatten die Pastorin und ihre Gemeinde ihre kleine alte Dorfkirche instand gesetzt, jetzt sollte ein Festgottesdienst mit Pauken und Trompeten und natürlich mit einem großen Chor stattfinden. In meiner Kantorei sangen damals acht Pastorinnen und Pastoren mit. Der Wunsch aus der Partnergemeinde war: Die Pastorinnnen und Pastoren bitte alle im Talar ! Wir schüttelten den Kopf, taten unserer Gastgemeinde dann aber doch diesen Gefallen. So zogen am Tag der Kirchweihe eine Reihe Schwarzberockter feierlich in die Kirche ein und nahmen seitlich vom Altar Platz. Dahinter standen drei Chöre aus Ost und West. Gegenüber von uns saßen die kommunalen Politiker des Ortes. Dann sangen wir Lobe den Herren. Schlagartig ist mir klar geworden, dass dieses Lied auch ein Protestlied gegen die gegebenen Verhältnisse sein kann: wir loben eben nicht die Herren und Damen vor Ort das Lob Gottes überschreitet Grenzen und kann die Mauern in den Köpfen und Herzen zum Einsturz bringen
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Im Jahre 1680 ließ der dreißigjährige Joachim Neander seine Liedersammlung drucken, in ihr auch Lobe den Herren:
Sprecher: Alpha und Omega. Joachim Neandri Glaub- und Liebes-Übung: aufgemuntert durch einfältige Bundes-Lieder und Dank-Psalmen. Zu lesen und zu singen auf Reisen, zu Haus oder bei Christen-Ergötzungen im Grünen, durch ein geheiligtes Herzens -Halleluja !
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Nach seinem Theologie-studium war Neander Rektor der Lateinschule der reformierten Gemeinde zu Düsseldorf geworden. Doch schon zu Studienzeiten hatte er Probleme mit der offiziellen Kirche gehabt. Geprägt durch die Erweckungsbewegung und durch privaten Erbauungs-<stunden setzte er sich zwischen alle theologischen Stühle seiner Zeit. Im reformierten Gottesdienst waren als Gemeindegesang nur die Psalmvertonungen im Genfer Stil zugelassen: 1 zu 1, ohne Zusätze, wird der biblische Psalmtext übersetzt und bereimt; die Melodie fließt in ruhigen Halben- und Viertelnoten. Neanders Dankpsalm Lobe den Herren hingegen steht im schwungvollen Dreiertakt, nimmt fast schon die Walzerseligkeit vorweg. Sein Text ist gespickt mit Zitaten aus den Psalmen, die in dieser neuen Kombination wie ein gewaltiges Lob des Schöpfers in der Natur klingen.
In der Natur hat sich Neander oft aufgehalten. Östlich von Düsseldorf gab es ein wild zerklüftetes Kalkfelsengebiet. Dort trafen sich die Erweckten zu geheimen Zusammen-künften. Dort sangen sie ihre neuen Lieder: im Grünen, weitab vom offiziellen Gottesdienstraum eben im Neandertal. Der einst verborgene Gesang eines christlichen Geheim-Zirkels führt heute weltweit die Hitliste der Kirchenlieder an. In unserem Gesangbuch ist dieses Lied in sechs Sprachen abgedruckt und so klingt es im internationalen Kanon in deutsch, englisch, französisch, schwedisch, polnisch und tschechisch: Musikeinblendung
Wie schön, in diesen weltweiten Gesang einstimmen zu können! Wie herrlich, kräftig zu schmettern wenn ich in guter Stimmung bin! Wie entlastend, vom vertrauten gemeinsamen Klang getragen zu werden, wenn mir persönlich das Lob nicht so recht über die Lippen kommen will! In diesem Sinne:
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Das war Kirche in WDR 3 mit Kirchenmusikdirektorin Christa Kirschbaum aus Lippstadt über den Choral Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren. Es sangen die Stuttgarter Hymnus-Chorknaben unter der Leitung von Gerhard Wilhelm und eine Singgruppe der ev. Kgm Lippstadt unter der Leitung von Kirchenmusikdirektorin Christa Kirschbaum. Sie hörten das Westfälische Blechbläserensemble unter der Leitung von Werner Benz.
Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren (EG 316)
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