Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

07.05.07, 5.56 Uhr, Pastorin Beate Raguse

Neue Freunde

Drei Wochen sind sie nun schon her – die Osterferien. Für viele sind sie schon fast vergessen. Nicht jedoch für die Kinder aus Mönchengladbach,

die an den Ferienspielen teilnahmen.- einem Programm der Christuskirchengemeinde und des Unterstützungsdienstes der Evangelischen Stiftung Hephata. 17  behinderte und nicht behinderte Kinder haben ihre Ferien gemeinsam verbracht und haben etwas gewonnen: nämlich neue Freunde und Freundinnen. Dabei sah es am Anfang ganz anders aus, erzählen Anne Genz und Carina Hochköppler vom Unterstützungsdienst:

O-Ton: „Die waren am Anfang alle ziemlich scheu, die kamen auch nicht näher als fünf Meter an die Kinder von uns ran.“

Autorin: Da half auch nicht, dass die Gemeindepädagogin schon Wochen vorher mit ihnen besprochen hatte, welche Arten von Behinderungen es gibt. Dass einige im Rollstuhl sitzen, andere nicht so gut reden können. Mabel Agbor Pearson:

O-Ton: „Aber ich denk’ zwischen hören und das selber erfahren, da liegen einfach noch mal Welten und das kann man, das muss man erleben, um sicher zu sein und sich dann auch wohl zu fühlen.“

Autorin: Gelegenheit gab es genug: Ausflüge, einkaufen, kochen, gemeinsam essen, stand auf dem Programm und immer natürlich spielen. Alles in  der Geborgenheit der Gruppe, die Raum für eigene Erfahrungen ließ. Und so dauerte es nicht lange und das Eis war gebrochen:

O-Ton: „Die Kinder haben sich quasi darum gerissen, die Rollifahrer zu schieben,“

Autorin: erzählt Anne Genz von den gemeinsamen Ausflügen. Doch nicht nur der Umgang auch die Einstellung der Kinder veränderte sich. Zum Beispiel gegenüber den Mädchen im Rollstuhl,

O-Ton: „zuerst ist das erst so wie „och, ein Püppchen, da möchte ich mal ein bisschen mit spielen“... und dann entwickelt sich schon raus: „ach die können auch spielen, die haben auch Gedanken und können sich mitteilen“, und dann kommt auch die Beziehung eher später in den Vordergrund, ne Freundschaft so.“

Autorin: Wie bei der elfjährigen Lia. Als eins von vier Geschwistern ist sie Trubel gewöhnt, auch wenn sie selbst es lieber ruhig mag. Dann kann sie stundenlang selbstvergessen spielen. Lia hat sich mit Dania angefreundet.

O-Ton: „Ja, also da ist ein kleines Mädchen, die heißt Dania, und mit der spielen meine Schwester und ich immer,  ja also wir waren heute mit ihr einkaufen,  aber sie sitzt leider im Rollstuhl.  Wir haben sie auch gestern geschaukelt,  also sie kann den Kopf nicht oben halten, weil die Gelenke sind etwas schwach, dann haben wir sie festgehalten.“

Ob diese Freundschaft erwidert wird?  Lia ist ganz sicher, 

O-Ton: „ja bestimmt, weil die uns dann immer anlächelt.“

Autorin: Dominik hat erfahren, dass die Beziehung  zu einem autistischen Kind auf ganz eigene Weise beginnen kann. Über seine erste Begegnung mit Quoc-Binh erzählt er:

O-Ton: „der hat so die ganze Zeit mir ins Ohr geschrieen, und dann bin ich dem hinterher gelaufen und dann kam das einfach so,  ja ist einfach so ineinander gelaufen“

Autorin: Wenn Domenic  nicht  Billard oder Fußball spielte, verbrachte er seine Zeit mit dem neunjährigen Quoc-Binh verbracht..

O-Ton: „Mit dem spiel ich die ganze Zeit fangen und ich bin immer das Pferd, der Packträger für ihn.“

Autorin: Dass Quoc-Binh soviel Nähe zulässt, ist nicht selbstverständlich. Doch auch er scheint Domenic zu mögen. Beide verbindet der  Spaß am Bewegen und Toben. In den Augen der Mitarbeiterin „ein echter Glücksfall.“ Domenic kann  Quoc-Binhs Verhalten noch nicht so gut einschätzen. Doch er weiß:

O-Ton: „er redet auch nicht soviel, der versteht ja alles, aber er lebt in seiner eigenen Welt.“

Autorin: So  ist das eben. Wenn Menschen sich gegenseitig so akzeptieren, wie sie sind. Wie Gott sie geschaffen hat, mit ihren Eigenarten, die manchmal erst auf den zweiten Blick zu verstehen sind. So ist das eben, wenn Menschen Freunde werden.

Audiobeitrag Neue Freunde


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