Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

11.05.07, 5.56 Uhr, Pfarrer Jönk Schnitzius

Amok

Es fängt damit an das er nichts sagt. Nichts mehr sagt. Und dann – irgendwann schießt. 32 Menschen sterben bei einem Massaker des Amokläufers in Virgina.

16 Menschen sterben 2002 durch den Amok eines Schülers in Erfurt. Das Wort Amok ist aus dem malaiischen amuk abgeleitet und bedeutet soviel wie „wütend“ beziehungsweise „rasend“.

Und das - ist doch nicht soweit weg. Das Männer wütend werden. Nicht das ist das Problem. Nicht Wut ist gefährlich, sondern verschwiegene Wut. Stilles stauen. Von Enttäuschung, Ärger, Einsamkeit und Kränkung. Irgendwann dann läuft das Fass über.

Und ich behaupte: es geht nicht in erster Linie darum, ob z.B. in Amerika Waffen zum Alltag dazugehören oder ob die so genannten Baller-Computerspiele aus Kindern Killer machen.Ich glaube, es geht darum wie mit männlicher, zumal jugendlicher Einsamkeit und Wut umgegangen wird. Einsamkeit und Wut - so sagen die Fachleute – sind sozusagen die Mindestvorrausetzungen für einen Amoklauf.

Gott sei Dank ist der Amok die  - schreckliche – Ausnahme. Keine Ausnahme scheint mir allerdings zu sein, das Männer ihren Ärger, ihre Kränkung, ihre Wut für sich behalten. Magengeschwüre bekommen, ihren Frust förmlich in sich hinein, bzw. sich auf die Hüften fressen, oder anfangen zu trinken – regelmäßig zuviel zu trinken. Quasi schleichende Amokläufe gegen sich selbst.

Einsamkeit und Wut. Themen, die weder cool noch hip sind, sondern verborgen und Schambeladen. Zumal für Jugendliche. Und für erwachsene und vernünftige Männer. Wie gesagt die Scham ist groß. Wenn man immer alles im Griff haben muss.

Und Kinder schon lernen das ihre Wut angeblich böse und schlecht ist. Lieb´ und nett sollen sie sein. Nicht selten wird das Christentum leider auch so verstanden. Nach dem Motto: Lieb und nett, hilfreich und gut sollte man sein, statt ehrlich und direkt.

Nicht so einfach mit dem ehrlichen Ärger. Und gefährlich für einen selbst und Andere, wenn er verborgen und vergraben wird. Gefährlich totgeschwiegen.

Sprechen hilft. Und niemand kann sagen es gäbe keinen, der ihm zuhört. Einfach mal zuhört. Ohne direkt zu sagen: ja, aber. Ohne: du solltest. Ohne: wie kannst du nur.

Wie gesagt einfach mal nur zuhört: meiner Wut, meiner Kränkung, meiner Einsamkeit, vielleicht meiner Rachephantasie.

0800 / 111 0 111. Gott sei Dank, gibt es diese Nummer. 0800 / 111 0111. Die Nummer der Telefonseelsorge. Da sitzt jemand der hört. Einfach mal zuhört, um jede Uhrzeit und anonym. Zum Beispiel wenn das Fass voll ist. Schweigen kann tödlich sein. 0800 / 111 0 111. Sprechen ist möglich.

Audiobeitrag Amok


Druckversion

Suche

Sendungen der Woche

Sendungen am Sonntag

Sendungen im Fernsehen