Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

12.05.07, 5.56 Uhr, Pfarrer Jost Klausmeier-Saß

Anders durch den Tag

Wie wär’ s eigentlich, wenn wir heute anders durch den Tag kommen? Also: das Leben mal anders sehen. Nicht so, sagen wir - alltäglich - wie gestern.

Vielleicht realistischer. Uns selbst heute daran erinnern: wir leben in einem noch nie da gewesenen Wohlstand.  „Unser tägliches Brot gib uns heute!“: Viele unserer Vorfahren, die das beteten, wussten nicht, ob sie’s tatsächlich bekämen. Diese Sorge haben die meisten von uns  im Land der Einkaufsparadiese und üppig gedeckter Tische heute nicht mehr. Gott sei Dank! Was geht’s uns doch gut. Sogar Urlaube mit Fernreisen können sich die Meisten von uns leisten. Das heute mal im Kopf behalten und deshalb realistischer mit den Alltagssorgen umgehen. Das wär doch schon ein Anfang. Zum realistischeren Leben.

Oder: Wie wär’ s denn, wenn wir das Leben heute mal anders sehen. Nicht so, sagen wir  - alltäglich - wie gestern. Vielleicht optimistischer? Mit mehr Zuversicht. Klar: Akzeptieren und aushalten, was nicht zu ändern ist. Aber sonst: genau hinsehen, wo die Welt zum Besseren zu verändern ist.  Auch die kleine, eigene, private. „Selig sind, die nach Gerechtigkeit hungern und dürsten, denn sie sollen satt werden.“ sagt Jesus. Das ist doch mal eine andere Perspektive, als: „Da kann man ja doch nichts machen!“ Über die eigenen Möglichkeiten zur Veränderung sollten wir bloß nicht pessimistisch denken! Auch kleine Anfänge erreichen große Ziele. Wir sollten uns mal erinnern, wie oft wir schon angekommen sind!

Also: optimistisch von sich selbst und den Menschen denken. Und wo wir scheitern, barmherzig sein. Mit uns selbst. Und mit den anderen. Das ist auch schon ein Stück Weltverbesserung. Oder: Wie wär’ s, wenn wir unser Leben heute  mal  bescheidener lebten? Weniger anspruchsvoll bei allem, was wir meinen zu brauchen. Nicht schon wieder: „Man gönnt sich ja sonst nichts!“. Sondern : „Wie schön, dass ich heute mit wenig zufrieden bin!“. Und merke: weniger ist manchmal mehr! Wenn ich weniger Ballast auf der Seele habe, kann ich auch gelassener im Alltag sein. Wie oft ärgert man sich darüber, dass man zuviel Stress hat ... einen zu viele Sorgen plagen ... man innerlich so angespannt ist und nicht zur Ruhe kommt ... unzufrieden ist und die Freizeit auch schon verplant hat ... nicht wirklich abschalten kann ... und dann graut’s einem sogar schon vor dem Wochenende –...

„Wer von euch kann mit all seinen Sorgen sein Leben auch nur um eine kleine Zeitspanne verlängern?“ fragt Jesus. Na also. Deshalb: heute vielleicht mal bescheidener sein und gelassener mit allem, was wir wollen oder meinen zu müssen. Und wenn sich heute „weniger“ als „mehr“ herausstellt, dann hat man vielleicht auch morgen noch Lust, anders durch den Alltag zu kommen. Also: Wie wär’ s denn, wenn wir unser Leben heute mal anders sehen? Realistischer – optimistischer – bescheidener. Wir können nämlich viel mehr in unserem Leben verändern und gestalten, als wir oft meinen.

Audiobeitrag Anders durch den Tag


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