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Neue Sicht
Die Oma meiner Freundin Julia ist vor ein paar Wochen gestorben. Obwohl sie schon über 80 war und auch echt schwer krank,
wollte sie noch gerne leben und hat tapfer alle Untersuchungen und Therapieversuche über sich ergehen lassen. Die Familie meiner Freundin hat sie darin unterstützt, denn auch sie wollten sie noch ein bisschen bei sich behalten.
Eine Woche vor ihrem Tod hat Julias Oma dann ihre Familie zu sich gerufen und gesagt: Nehmts mir nicht übel, aber ich kämpf nicht mehr. Ich möchte jetzt die mir verbliebene Kraft nutzen, mich von euch zu verabschieden.
Julias Familie konnte damit zunächst gar nicht umgehen, aber Julias Oma hat das Ding durchgezogen. Sie wusste, so sagt Julia, wann es Zeit ist, einen Traum aufzugeben.
Julia sagt, dass sie durch das Sterben ihrer Oma eine neue Sicht auf ihr eigenes, ja noch junges Leben bekommen hat. Auch sie hängt oft Dingen nach, die längst vergangen sind. Beziehungen, die von Anfang an nichts waren, oder Berufsmöglichkeiten, die ihr nie offen standen. Wir leben viel im hätte, würde, wäre gut tut uns das nicht, weil es uns blind macht für die Möglichkeiten, die das Leben jetzt für uns bereithält
Deshalb: Die Kraft bündeln, sichten, welche Chancen man wirklich hat und diese Chancen ergreifen. Das ist das, so Julia, das, was sie von dem bewussten Sterben ihrer Oma gelernt hat.
Sprecherin: Christiane Birgden
Neue Sicht
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