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Lieber schlampig glücklich
Lieber schlampig glücklich, als ordentlich gestresst. Na, das ist doch mal ein Buchtitel! Nach all den Ratgebern, die mich darüber aufgeklärt haben, wie wichtig es ist,
dass ich mein Leben entrümpele, meinen Alltag straff durchorganisiere und mein Kind richtig erziehe. Endlich mal ein lustiges Plädoyer fürs Schlampig sein. Und das in jeglicher Beziehung! Ob im Haushalt, bei der Arbeit oder in der Familie. Ich soll mal öfter Fünfe gerade sein lassen, nicht in allem Perfektionismus anstreben.
Die Botschaft, die ich sonst kenne ist doch eher das Gegenteil: sei vollkommen, sei perfekt und ordentlich, mach keine Fehler, sonst wirst Du unglücklich! Sonst mag Dich keiner!
Aber es wird nie alles ordentlich und perfekt sein! Hab ich endlich meine Kleidung aussortiert, ist der Keller immer noch mit Gerümpel voll. Der Wäschekorb quillt auch gerade über und der Boden klebt
was, wenn meine Nachbarin jetzt rüberkommt! Und Kuchen backen für die Kita muss ich doch auch noch, weil mein Sohn Geburtstag hatte. Wenn ich das nicht schaffe, bin ich keine ordentliche Mutter!. Andere berufstätige Mütter schaffen das auch. Die Rübe qualmt! Der Kampf mit dem Chaos und den Ansprüchen des Alltags ist unendlich! Stress in einem fort!
Es ist ein Teufelskreislauf, der nicht aufhört und ich sage mir immer: dann, wenn Du das und das geschafft hast, dann ist endlich Ruhe. Aber die Ruhe kommt nie. Und die perfekte Ordnung auch nicht!
Ich muss lernen, mit dem Chaos zu leben, die übertriebenen Ansprüche auch mal links liegen zu lassen, so wie der Buchtitel wirbt: Schlampig glücklich sein.
Ordnungsfetischisten und Perfektionisten sind nämlich unzufriedene Zeitgenossen. Sie kritisieren sich selbst und andere, sehen überall nur das, was falsch läuft und noch fehlt. Und das sage ich, weil ich schon selbst mein Genörgel über all das, was noch zu tun ist, nicht mehr hören kann.
Menschen wie ich sehen nämlich immer wo und was es noch zu tun gibt das mag in vielen Situationen gut sein, weil man zupackt und die Augen vor der Arbeit nicht verschließt aber still und heimlich benei-de ich all diejenigen, die sich auch mal auf die faule Haut legen. Die zufriedener sind, mit sich und ihrer Umwelt.
Mit einer gewissen Unordnung und einem mangelnden Perfektionismus leben zu können, was im Buchti-tel ein wenig provokant als schlampig bezeichnet wird, befreit nämlich ungemein. Menschen, die das können, haben vom Leben etwas begriffen. Natürlich nicht, wenn es ihr alleiniges Lebensprinzip ist. Aber im Grunde genommen sind sie doch glücklicher und zufriedener. Denn sie genießen die Sonne, so lange sie scheint. Ich hingegen räume in einem irren Tempo die Küche auf, wenn ich aber fertig bin, regnet es schon wieder. Stürme direkt ins Büro, um Ordnung zu schaffen, habe aber gar nicht bemerkt, dass mein Mann eine liebe Karte auf meinen Schreibtisch gelegt hat.
Das ist traurig und schade denn das Leben ist mehr als Leistung. Und wir sind für andere auch dann wichtig und liebenswert, wenn wir unperfekt und schlampig sind.
Es gibt einen wunderschönen Bibelvers der lautet: Seid barmherzig, wie auch Euer Vater barmherzig ist (Lukas 6,36) Barmherzig sein
mit seiner Umwelt, aber auch mit sich selbst. Sich nicht ständig verurteilen und zu Höchstleistungen anpeitschen, sondern auch mal Fünfe gerade sein lassen. Darum geht es. Gott schaut mich jedenfalls mit barmherzigen Augen an. Er sieht nicht darauf, wie unordentlich oder unperfekt ich bin. Er sieht nicht darauf, was ich noch leisten muss. Er liebt mich auch so. Wenn Sie so wollen: auch schlampig! Und das ist doch eigentlich sehr entlastend
Lieber schlampig glücklich
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