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Aus Liebe zum Entzug
Michaels Leben verlief anfangs ganz normal. Lehre, Ausbildung, Beruf, dann aber kam eine Trennung, die er nicht verkraftet hat.
O-Ton: "Dann bin ich ziemlich schnell und ziemlich derbe abgeschliddert - auch in dieses Milieu halt rein, Drogen und Alkohol. Geregelte Arbeit wäre gar nicht mehr gegangen zu dem Zeitpunkt."
Autorin: Er gab sich innerlich auf. Hatte keine Kraft mehr, in sein altes geregeltes Leben zurückzufinden. Michael wurde obdachlos.
O-Ton: "Jetzt hatte sich natürlich auch mein Freundeskreis von mir soweit verabschiedet, auch durch mein etwas seltsames Leben sag ich mal. Und je weiter ich in die Obdachlosigkeit reingerutscht bin, desto mehr hat sich auch mein Bekanntenkreis verändert. Und ich war dann irgendwann so tief drin, dass ich mir gesagt habe, jetzt muss irgendwas passieren."
Autorin: Und so raffte er sich auf, um als Verkäufer der Düsseldorfer Obdachlosenzeitung FiftyFifty zu arbeiten. Anfangs ging es ihm nur darum, Geld für Drogen zusammenzukriegen, doch dann veränderte sich zunehmend seine zu seinem neuen Job.
O-Ton: "Die ersten paar Tage wo ich auf der Straße gestanden habe, hab ich gedacht: Hoffentlich kauf keiner die Zeitung, ne. Ich war zu dem Zeitpunkt eh kaputt sag ich jetzt mal. Das hat sich nun aber später allerdings geändert. Als die ersten Leute dann des Öfteren kamen. Das sind eigentlich so die kleinen Highlights am Tag."
Autorin: Langsam aber sicher hatte er sogar einen festen Kundenstamm.
O-Ton: "Es sind eigentlich bei mir ich sag mal - zu 90% immer dieselben Leute, die kaufen. Die sehen dich jeden Tag da stehen. Es ist wirklich so, dass wenn man zwei drei Tage nicht da steht, dass die Leute fragen: Wo ist er. Ich hab eigentlich mit diesen Leuten durchwegs gute Erfahrungen gemacht."
Autorin: Und dann kam eines Tages ein ganz besonderer Mensch auf ihn zu, um eine Obdachlosenzeitung zu kaufen.
O- Ton: "Das was am Schönsten war, ist natürlich jetzt meine Freundin halt. Mit der bin ich seit sieben Jahren zusammen. Die war zu dem Zeitpunkt selber obdachlos und kaufte mir `ne Zeitung ab. So haben wir uns kennen gelernt. Und das ging dann über einen Zeitraum von 1 ½ Jahren: sie war auf Drogen, ich war auf Drogen und irgendwann haben wir uns dann zusammengerappelt und sind dann auch in `ne Langzeit gegangen, also getrennt."
Autorin: Sie sind in eine Langzeit gegangen, d.h. sie haben einen Drogenentzug gemacht und anschließend Therapie. Es war ihnen ernst. Sie wollten einen Neuanfang. Runter von der Straße, weg von den Drogen. Hin zu einem neuen Leben. Für Michael ein Wunder, mit dem er eigentlich nicht mehr gerechnet hatte.
O-Ton: "Da lern ich auf der Straße einen Obdachlosen kennen, der mir eine Zeitung abkauft Das ist ein Mensch, wo ich sage: zu dem halt ich und da kann kommen was will, und wenn nichts dazwischen kommt, dann sind wir in 20 Jahren noch zusammen
und wie gesagt: auf der Straße kennen gelernt."
Aus Liebe zum Entzug
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