Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.04.07, 5.56 Uhr, Pfarrer Jönk Schnitzius

Koscheres Hundefutter und Wackelrabbi

Shalomseife mit bunten Davidsternen, ein Wackel-Rabbiner fürs Armaturenbrett im Auto oder gelbe Mangnet smileys mit der Aufschrift: Don`t worry, be jewish.

Dies  sind nur drei der vielen Exponate , die in der Ausstellung „Jüdischer Kitsch und andere heimliche Leidenschaften“ zu bewundern sind. Und zwar in der Begegnungsstätte Alte Synagoge  mitten in Wuppertal. Liebevoll ausgewählt hat diese Kultobjekte Ulrike Schrader, Leiterin der Begegnungsstätte Alte Synagoge und evangelische Christin. Wie sie auf die Idee kam: 

O-Ton: „Die Idee hat sich gebildet bei einem Besuch in New York, wir waren da halt in einem jüdischen Viertel  und haben eben dort eine unglaubliche Menge an jüdischen Gegenständen gesehen, die nach unseren Begriffen kitschig aussehen. Und ich habe dann gedacht, dass man einfach so eine Ausstellung machen könnte, um den Menschen ein bisschen die Hemmungen zu nehmen, sich mit dem Judentum auseinanderzusetzen. Weil es eben eine etwas verspieltere Form ist.“

Autor: Religion in und auf kitschigen Gebrauchsgegenständen – für uns Christen ein ungewöhnliches Erlebnis. Da findet sich jede Menge Nippes – manches ist auch ironisch zu verstehen. Zum Beispiel der koschere Hundeknochen aus Plüsch sowie die  Fußmatte, auf der Shalom steht, wobei jedem klar ist: der Frieden soll natürlich nicht mit Füssen getreten werden.  Wirklich alltagstauglich hingegen sind die kleinen Käppis, die jeder Jude männlichen Geschlechts tragen muss, sobald  er eine Synagoge betritt. Die Designs überzeugen: Vom Fußball über Blumen bis hin zu Smileys. Aber auch die Krawatte mit den Davidsternen ist  durchaus alltagstauglich. Die Beschaffung der Exponate war für Ulrike Schrader ein besonderes Erlebnis, weil sie sie als eine Gojim, eine Nichtjüdin und zudem als eine  Frau in orthodoxen Geschäften eingekauft hat: 

O-Ton: „Die waren befremdet und irritiert in Antwerpen war sogar eine leichte Ablehnung da, weil sie gegenüber Deutschen natürlich auch ein Problem haben durch die örtliche Nähe, aber in New York ist das auch passiert, dass die Leute das irgendwann verstanden haben und witzig fanden und dann mitgeholfen haben Sachen aufs Band zu legen für die Kasse.“

Autor: Darunter auch jede Menge Spielzeug – sowie die Fingerpüppchen mit den zehn biblischen Plagen. „Spiele Gott und ärgere deinen ägyptischen Nachbarn – lautet die Spielanleitung: Nur wundere dich nicht, wenn die meisten Plagen dich selbst treffen.
Warum es so wenig christlichen Kitsch gibt, darüber kann Ulrike Schrader nur spekulieren. Sie vermutet, weil es in einer Religion mit nur einem Gott weniger sakrale Fettnäpfchen gibt, als bei den Christen, die an die Dreifaltigkeit glauben und bis zu sieben Sakramente haben -  die Katholiken zumindest – sowie zahlreiche Heilige. Doch was können wir Christen von den Juden lernen – im Umgang mit Religion in und auf Alltagsgegenständen?

O-Ton: „Nicht so furchtvoll gegenüber Gott zu sein, sondern mehr darauf zu vertrauen, dass er auch Spaß versteht.“

Wer Spaß bekommen hat an den kultigen Gegenständen, kann sie am 6. Mai ersteigern. Dann ist nämlich die Finissage – Vom jüdischen Kitsch und anderen heimlichen Leidenschaften – in der Begegnungsstätte Alte Synagoge Wuppertal.

 

Audiobeitrag Koscheres Hundefutter und Wackelrabbi


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