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Kinder sind eine Gabe des Herrn
Wenn du ein gerechtes Urteil fällen willst, musst du zuvor beide Seiten hören. Diesen alten Rechtsgrundsatz sollte man bei allen Angelegenheiten beherzigen
ganz besonders aber bei familiären. Ja zu Familie!, liebe Hörerinnen und Hörer. So lautet in dieser Woche das Thema, mit dem wir uns am Beispiel einer konkreten Familie beschäftigen. Und welche Familie eignete sich besser als die allen bekannte Heilige Familie mit Vater Joseph, Mutter Maria, dem Sohn Jesus und dessen Brüdern und Schwestern.
Da wir gestern die Seite der Eltern beleuchtet haben, wenden wir uns heute treu dem erwähnten Rechtsgrundsatz der anderen Seite zu. Fangen wir also noch einmal ganz von vorne an. Diesmal aber aus Sicht des ältesten Sohnes.
Also: Jesus befindet sich in der Gruppe seiner Freunde in irgendeinem Haus. Zu ihm hat sich eine Menge Volk gesellt, das seinen Geschichten lauscht. Für sie ist er ein Rabbi, ein Gelehrter, ja ein Prophet. Er ist der gute Hirte, der ihre Mitte bildet. Begeistert hängen sie an seinen Lippen, wenn er von einem wunderbaren Leben erzählt in Gemeinschaft und Frieden. Wenn er mit einfachen Worten predigt, die zu Herzen gehen, die sie verstehen. Während alle Jesus begeistert zuhören, geschieht es plötzlich: Mama steht vor der Tür. Flankiert von seinen Geschwistern.
Und wäre das alles nicht schon schlimm genug: Seine Familie lässt auch noch nach ihm rufen. So etwas muss ausgerechnet ihm passieren. In aller Öffentlichkeit. Mit Anfang 30. Es gibt Peinlichkeiten, in die kann einen nur Familie bringen. Die Menschen, die einen Tag für Tag sehen und dabei nicht mitbekommen, dass aus dem Jungen längst ein Mann wurde. Der biblische Spruch: Ein Prophet gilt nirgends weniger als in seinem Vaterland und bei seinen Verwandten und in seinem Hause hat immer noch Bedeutung.
Die Familie stellt Jesus nach und stellt ihn bloß vor seinen Freunden und all den Menschen, die er begeistert. Für seine Sippe ist er nicht der gute Hirte. Für sie ist er das schwarze Schaf. Denn er verhält sich einfach nicht so, wie sie es von ihm erwartet. Mit ihrem Verhalten zwingt die Familie Jesus eine Grundsatzentscheidung auf: entweder für die Familie, in der er sich selbst als erwachsener Mann noch wie ein Kind behandelt fühlt. Oder für den Kreis der Jünger und Anhänger, die ihn respektieren und achten. Wen wunderts: Jesus entscheidet sich gegen seine leibliche Familie wie die meisten Kinder.
Kinder sind eine Gabe des Herrn und Leibesfrucht ist ein Geschenk. So die Bibel. Danach sind Kinder ein Gottesgeschenk und wollen als solche behandelt werden: mit Liebe und Respekt.
Kinder sind bei uns ein Mangel. Aber wir brauchen sie. Ihre strahlenden Augen. Ihre unbekümmerte Lebensfreude. Ihr Lachen, das Herzen Flügel verleiht. Kinder sind die Hoffnung der Welt. Sie sind unsere Zukunft. Aber nicht als Sicherung unserer Renten. Nicht als wirtschaftlicher Faktor. Wer so rechnet und plant, wird sich verkalkulieren. Denn Kinder so jung sie auch sein mögen haben nun mal einen eigenen Kopf, einen eigenen Willen. Das war schon zurzeit Jesu so. Eine schmerzliche Erfahrung für viele Eltern, die ihre Kinder für eigene Interessen verplanen.
Kinder sind ein Geschenk Gottes. Ausgestattet mit eigenem Herzen, Mund und Verstand. Eltern tun gut daran, ihre Söhne und Töchter weder zeitlebens als Kinder noch als Eigentum zu behandeln. Sie sind eigenständige Geschöpfe Gottes, die gleichberechtigt neben ihren Eltern stehen. Das Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ist häufig ein Pulverfass. Übertroffen wird es an Spannung und Brisanz meist nur durch das Verhältnis von Geschwistern. Doch davon morgen mehr.
Kinder sind eine Gabe des Herrn
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