Der evangelische Rundfunkbeauftragte beim WDR

28.04.07, 8.56 Uhr, Pastorin Susanne Schart

Jesu wahre Familie

Jeder kennt sie, jede hat sie. Der eine liebt sie, der andere hasst sie: die Familie! Wer Ja sagt zu ihr, sollte wissen, auf wen oder was er sich einlässt.

Was ist also „Familie“? Die klassische dreier Konstellation „Vater, Mutter, Kind“ ist keine passende Beschreibung mehr. Ebenso wenig die Mehrgenerationengroßfamilie. Und der Singlehaushalt trifft es wohl schon gar nicht.

Wodurch werden Menschen zu einer Familie? Welches Merkmal ist entscheidend? Derselbe Familienname? Die biologische Abstammung? Oder die soziale Beziehung - wie etwa bei Adoptivfamilien? Familie ist, wo man ohne zu fragen zum Kühlschrank gehen kann, wenn man Durst hat. So die Beschreibung einer chilenischen Großfamilie. Ihr kommt es auf das gute Gefühl an. Auf die Möglichkeit, sich frei bewegen zu können; ganz nach den eigenen Bedürfnissen.

Wer heute noch Ja zu Familie sagt, sucht auch nach zukunftsfähigen Modellen, die allen Mitgliedern gerecht werden. Vom Säugling bis zum Opa. Modelle, in denen Mütter weder als Glucke noch als Rabe gelten. In denen es männlich ist, ein zärtlicher Vater zu sein. Wo man sich eben rundum wohl fühlt.

Wenn man ratlos in die Zukunft schaut, helfen oft ein Blick in die Vergangenheit und ein Rat von unabhängiger Seite. Ausgerechnet der Junggeselle Jesus entwirft ein zukunftsweisendes Familienmodell; entstanden aus einem familiären Konflikt. Hier zur Erinnerung: Jesus befindet sich in der Gruppe seiner Freunde. Umringt von vielen fremden Menschen, die begeistert an seinen Lippen hängen, während er von einem wunderbaren Leben erzählt in Gemeinschaft und Frieden. In diese vertraute Runde brechen plötzlich seine leiblichen Familienangehörigen und provozieren durch ihr Verhalten die Grundsatzfrage nach Familie.

Wer ist meine Mutter und wer meine Brüder?, fragt Jesus. Er schaut auf die Menschen, die um ihn im Kreise sitzen. Die Jünger, die fremden Frauen, Männer und Kinder, deren Namen er nicht einmal kennt. Auf Mühselige und Beladene. Gerechte und Sünder. Alle samt Wildfremde wie wir. Und er antwortet: Sie sind meine Familie! Denn wer Gottes Willen tut, der ist mein Bruder und meine Schwester und meine Mutter.

Mit dieser Antwort bricht Jesus mit der Tradition. Er befreit sich aus der Enge seiner biologischen Herkunft. Wer Gottes Willen tut, ist meine Familie! sagt er. Durch diesen Satz stellt Jesus die einzigartige Stellung der klassischen Familie infrage. Ja mehr noch: Er spricht sich für ein ganz neues Familienmodell aus: für die Familie im Glauben.

Wen interessieren jetzt noch die Gene samt Vaterschaftstest? Wen die soziale Bindung? Nicht wer getauft oder beschnitten ist. Wer Hut, Kopftuch oder Kreuz trägt, gehört dazu. Es gibt Wichtigeres: allein der Wille Gottes zählt! Er wird zum einzigen Merkmal von Familie! Wer ihn tut, gehört dazu.

Durch die Abkehr von seinen leiblichen Angehörigen will Jesus die Familie weder aufheben noch durch selbst gewählte Freunde ersetzen. Jesus öffnet nur die Familie für all die Menschen, die ursprünglich nicht dazu gehören. Seine Familie im Glauben ist offen und einladend für alle, die sich Gott zuwenden. Dem Gott, den Jesus voller Vertrauen und Liebe Vater nennt. Und wer Gott als Vater betrachtet, ist ein Gotteskind und wird gerade beim Thema Familie in ganz neuen Dimensionen denken. Jesus sagt Ja zu Familie! Eindeutig. Zu einer weltweiten Familie im Glauben!


 

Audiobeitrag Jesu wahre Familie


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