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Ja zu Familie!
Ja zu Familie! Steht auf großen Lettern auf dem Werbeplakat, und ein kleiner Junge strahlt uns mit wachen Augen und freundlichem Lächeln an.
Familie zwischen Kinderglück und Karrierekick titelt einer von unzähligen Ratgebern. Familie ja, Kinder nein. Was ist los in Deutschland? fragt der Monitor Familienforschung.
Ob Elterngeld, der neue Familienwegweiser oder staatliche Bündnisse für Familie
zumindest die Werbekampagnen für Familie und ihre Gründung vermehren sich rasend schnell. Was bisher galt: Kinder werden immer geboren! - so ein geflügeltes Wort Konrad Adenauers - hat seine Gültigkeit verloren. Die Zeiten Adenauers sind eben längst vorbei. Kinder sind inzwischen ein Mangel jedenfalls bei uns.
Doch damit nicht genug. Die wenigen Familien, die es noch gibt, entsprechen ganz und gar nicht mehr dem traditionellen Ideal. Familie befindet sich im Wandel: Ein-Eltern-Familien. Patchwork-Familien. Meine, deine, unsere Kinder. Wer steigt da noch durch? Was der jüngeren Generation schon schwer fällt, ist für die Generation Adenauers fast unmöglich. Das heile Familienbild ist zerstört.
Ja zu Familie! Dennoch entscheiden sich immer mehr dagegen. Die klassische Familie scheint keine Vorteile mehr zu bieten. Im Gegenteil. Von Erfüllung ganz zu schweigen. Ihre Bedeutung hat sich mit den Jahren verändert. War sie früher zur wirtschaftlichen Versorgung ihrer Mitglieder überlebensnotwendig, spielt dies heute keine Rolle mehr. Kindererziehung, die Zusammenarbeit im Familienbetrieb oder die liebevolle Pflege der Kranken und Alten liegen nicht mehr selbstverständlich in familiärer Hand. - Aber Hand aufs Herz: war Familie jemals der Ort von Harmonie und Erfüllung? Der Ort von Liebe und Eintracht. Glückliche Eltern, strahlende Kinder. Zufriedene Großeltern und sonstige Verwandte ... Ist das nicht überwiegend ein Motiv für Werbeplakate? Zumindest könnte man diesen Eindruck gewinnen.
Ist es Zufall, dass gerade am Weihnachtsfest, dem so genannten Fest der Familie, die meisten Familientragödien geschehen? Vielleicht träumen wir von einem Ideal, dessen Erfüllung ferner liegt als der Jüngste Tag.
Als Gott am sechsten Schöpfungstag alles ansah, was er gemacht hatte, war zwar alles gut, aber dafür war auch die Familie noch nicht da. So fasst der Schriftsteller Kurt Tucholsky seine Erfahrungen mit der Familienbande zusammen.
Familie hat so ihre Tücken. Eigentlich keine neue Erkenntnis. Da kann jeder aus dem Nähkästchen plaudern: Da ist die kleine Schwester, die als Nesthäkchen nur einen Augenaufschlag braucht, und ihr Wunsch ist Vater Befehl. Da ist der Erstgeborene, der Kronprinz, der keinen Handschlag tut. Aber er ist der ganze Stolz der Eltern. Streitigkeiten zwischen Vater und Sohn, zwischen Mutter und Tochter sind an der Tagesordnung. Und wenn sie glauben, es könnte schlimmer nicht kommen, dann warten sie erst mal auf die Pubertät.
Ach ja, Probleme mit der eigenen Sippe sind kein Einzelfall. Das kommt in den besten Familien vor. Selbst in der Heiligen Familie ging es nicht so heilig zu, wie wir es von idyllischen Weihnachtsmotiven her erwarten. Mutter Maria hatte es mit ihrem Sprössling genauso schwer wie andere Mütter auch. Jesus ist alles andere als ein mustergültiger Sohn. Als Erstgeborener kümmert er sich nicht wie zu seiner Zeit üblich - um den Erhalt der Familie. Lieber zieht er mit seinen Freunden durch die Gegend. Hält Reden. Tut wundersame Dinge. Ein Mutter-Sohn-Konflikt scheint unausweichlich. Als Jesus wieder einmal mit seinen Freunden unterwegs ist, wird es seiner Mutter zu bunt. Maria lässt nach ihm rufen. Wie mag ihr Sohn wohl reagieren? Folgsam, wie es sich für einen gut erzogenen Sohn gehört? Oder ist Jesus auch in familiären Dingen immer für eine Überraschung gut? Davon morgen mehr.
Ja zu Familie!
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