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In Dir ist Freude (EG 398)
Ein wohlbekannter Choral mit einem fröhlichen Text und einer beschwingten Melodie. Er führt uns nach Italien ins 16. Jahrhundert.
Ein wohlbekannter Choral mit einem fröhlichen Text und einer beschwingten Melodie. Er führt uns nach Italien ins 16. Jahrhundert. In einen abgelegenen Ort, irgendwo zwischen Mailand und Venedig. Eine lauschige Nacht verführt die Pärchen zum Träumen. Frühling liegt in der Luft. Am Himmel die Sterne, sie funkeln wie Augen von Verliebten. Zärtlich legt er seine Hände um ihre Hüften. In der Ferne erklingt eine vertraute Weise A lieta vita Zum fröhlichen Leben. Ein Liebeslied auf Amor, den Gott der Liebe und des sich Verliebens. Die Klänge laden zum Tanzen ein. Glücklich, wer die Nacht zu zweit verbringt. Voller Verlangen fragt sein Blick:
Sprecher: Darf ich bitten, Signorina?
Und ihr Herz erwidert: Si!
Choral: ital. Text (1. Strophe) A lieta vita amor ci_invita, fa la la la la la la la. Chi gioir brama, se di cor ama donnerà'l core a_un tal signore, fa la la la la la la la la la.
Choral: deut. Übersetzung: 1) Zum fröhlichen Leben lädt Amor uns ein. Wer Freude herbeisehnt, wer von Herzen liebt, wird ihm sein Herz schenken, einem gewissen Signore.
Eine Musik. Und zwei Texte - wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Ein geistlicher und ein weltlicher Text. Einer in deutscher, einer in italienischer Sprache. Das italienische Original des Komponisten Giovanni Gastoldi rühmt das Treiben Amors, der in Gestalt eines halbwüchsigen Knaben so sicher mit Pfeil und Bogen umzugehen weiß. Der nach Lust und Laune seine Waffe einsetzt. Wenn er zielt, trifft er auch und raubt seinen Opfern den Verstand ob Frau oder Mann, jung oder alt, arm oder reich. Denn seine Pfeile treffen mitten ins Herz und erwecken dadurch die Liebe. Niemand ist vor ihm sicher. Signore Amor besiegt alles.
A lieta vita rühmt diesen gewissen Signore, der durch die Lüfte fliegt. Schelmisch und keck. Immer auf der Suche nach neuen Opfern. Und wer weiß, wen er gerade in diesem Augenblick erwischt?
Sprecher: Fliehe nicht! - Mag sein, daß er eine andere findet. Geschwinde Flügel hat er und Feuer und Pfeile. Deshalb verehrt man ihn, einen gewissen Signore.
Choral: 4) Ne fuggir giova ch'egli_ognun trova, fa la la la la la la la. veloci_ha l'ali e foco_e strali dunque s'adore un tal signore. fa la la la la la la la la la. Sprecher: In dir ist Freude/ in allem Leide,/ o du süßer Jesu Christ!/ Durch dich wir haben/ himmlische Gaben,/ du der wahre Heiland bist;
Eine Musik. Und zwei Texte - wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Im Jahre 1598 wird das italienische Tanzlied Gastoldis mit einem geistlichen deutschen Text unterlegt. Es entsteht der Choral In dir ist Freude mit einem ganz und gar anderen Sinn: Aus dem heidnischen Gott der Liebe wird der liebende Gott der Christen, der süße Jesus Christ.
Aus dem Herzensbrecher, der mit der Liebe und seinen Opfern Scherz treibt, wird der Tröster, der gebrochene Herzen heilt. Der uns kein fröhliches Leben ohne Leid verspricht. Aber der uns selbst im Tod voller Güte die Treue hält.
Choral: Zu deiner Güte/ steht unser G'müte,/ an dir wir kleben/ im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja. Sprecher: Zu deiner Güte / steht unser G'müte, / an dir wir kleben / im Tod und Leben; nichts kann uns scheiden. Halleluja. In dir ist Freude. Aus der sinnlichen Freude des Augenblicks, die sich nur Verliebte schenken können, wird eine geistliche Freude, die aus dem Glauben an den wahren Heiland erwächst.
In dir ist Freude in allem Leide. Eine Freude, die nicht nur die fröhlichen Stunden zählt, sondern auch die voller Leid und Kummer im Blick behält. Die Freude, die Christus verheißt, flieht nicht, sobald aus Spaß Ernst wird. Sobald dunkle Wolken die Sonne verdecken. Im Gegenteil. Sie ist dauerhaft und läßt sich durch nichts die Stimmung verderben. Weder durch Menschenhand noch Teufelswerk.
Choral: Wenn wir dich haben,/ kann uns nicht schaden/ Teufel, Welt, Sünd oder Tod;/ du hast's in Händen,/ kannst alles wenden,/ wie nur heißen mag die Not.
Sprecher: Du hast's in Händen,/ kannst alles wenden,/ wie nur heißen mag die Not.
Und Not gibt es in Deutschland im 16. Jahrhundert mehr als genug. Religiöse und politische Kämpfe, Hungersnöte und Pestzüge fordern Tote in Stadt und Land. Die Zukunft verheißt alles andere als ein fröhliches Leben. Not lehrt bekanntlich beten - aber auch singen. Wen wunderts also, daß die Kirche Trostlieder anstimmt voller Hoffnung und Freude - mitten im täglichen Leid.
Voller Zärtlichkeit rühmen diese Choräle einen liebevollen Jesus, der himmlische Gaben beschert. Alles in Händen hält und jede Not wenden kann. Wer ihm vertrauet, hat wohl gebauet. In ihm findet sich wahre, himmlische Freude. In dir ist Freude ist eines von vielen Kreuz- und Trostliedern seiner Zeit. Ein geistlicher Text wie viele andere auch. Eigentlich nichts Besonderes. Wäre da nicht
ja wäre da nicht: die Musik. Sie ist es, die dem Text Flügel verleiht und die Freude spüren läßt, die die Strophen verkünden. Nur wenige Choräle sind so beschwingt und voller Leichtigkeit. Kaum einer lädt so zum Tanzen ein und sprüht vor Lebensfreude. Während der Verstand noch das eigene Elend beklagt, schwingt sich das Herz schon auf und reißt die Seele mit. Die Musik hat getroffen. Was dem Wort schwer fällt, ist ein Leichtes für die Musik. Ihre Leichtigkeit nimmt dem Leid jede Schwermut.
Die Musik offenbart, was man dem geistlichen Text längst nicht mehr anmerkt: das italienische Original ist und bleibt eben ein Balletto. Ein lebenslustiges Lied zum Singen, Spielen und Tanzen.
Ein geistlicher Text zu einer weltlichen Musik. Für heutige Zeiten ein ungleiches Paar. Doch ein ideales. Die Worte für den Verstand, die Musik fürs Herz. Und Freude für die Seele.
Die Freude, die uns Christus schenken will, ist keine Freude, die weit über den Wolken schwebt und uns erst im Jenseits erfreut. Es ist eine Freude mitten in der Welt. Sie will nicht allein den Verstand, sondern unser Herz berühren. Wer von dieser Freude getroffen ist so wie von Amors Pfeilen -, muß sie erwidern. Könnte es anders sein als singend, tanzend, jubilierend? - Mit Herz und Mund!
Choral: Drum wir dich ehren,/ dein Lob vermehren/ mit hellem Schalle, freuen uns alle/ zu dieser Stunde. Halleluja. Wir jubilieren/ und triumphieren,/ lieben und loben/ dein Macht dort droben/ mit Herz und Munde. Halleluja.
Das war Kirche in WDR 3 mit Pastorin Susanne Schart aus Kamen über den Choral In dir ist Freude in einem Liedsatz von Giovanni Gastoldi und einer Harfenbearbeitung von Cesare Negri. Es sangen die Stuttgarter Hymnus-Chorknaben unter der Leitung von Gerhard Wilhelm und der Chor Hortus musicus aus Tallin unter der Leitung von Andres Mustonen.
In Dir ist Freude (EG 398)
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